Nachruf auf Prof. Hubertus v. Pilgrim

Hubertus von Pilgrim, nach Ansicht vieler der größte und wichtigste deutsche Bildhauer und Kupferstecher seiner Zeit, ist in der Nacht zum 1. Januar 2026 im 95. Lebensjahr gestorben.

Bis zuletzt war er in seinem Atelier in Pullach tätig. Aber er hat das früher Geschaffene nie aus dem Auge, nie aus dem Herzen verloren. Zu sehr hat sich der Künstler zeitlebens mit jedem einzelnen Werk identifiziert. Natürlich wird dies am deutlichsten am Mahnmal an den Todesmarsch von Dachau, auf das man sein Schaffen aber keinesfalls reduzieren darf. Es ist aber das, was, immer sichtbar an 22 Orten, auch die weniger an der Kunst Interessierten in höchst beeindruckender Weise mit seiner Kunst und dem Namen des Künstlers konfrontiert. An dem Wettbewerb, der letztlich auf die Initiative des damaligen Gautinger Bürgermeisters Knobloch ausgeschrieben war, hatten 528 Künstler und Künstlerinnen teilgenommen. Hubertus von Pilgrim als Erwählter wurde zum Pionier einer neuen Form der Erinnerungskultur.

Der Gedenkmarsch, der jedes Jahr durch den Verein „Gedenken im Würmtal“, verbunden mit einer kleinen Feier an jedem der hier aufgestellten Mahnmale stattfindet, ist nun auch zum Andenken an seinen Schöpfer geworden. Niemand kann sich, auch heute nicht, dem Eindruck entziehen, wenn er sich nur die Zeit nimmt, nicht nur die Gruppe, sondern jede einzelne der ausgemergelten Gestalten auf dem Mahnmal zu betrachten.

Die Darstellung von Gruppen, innerhalb derer nie eine Figur der anderen gleicht, ist eine der Stärken in von Pilgrims Werk. Dazu zählen Skulpturen und Plastiken, oft mit religiösen Motiven, Porträts als Reliefs, Münzen und Medaillen. Die bedeutende Ausstellung „100 Köpfe“ der Staatlichen Münzsammlung in der Münchner Residenz gab hier vor einigen Jahren Zeugnis. Der Kupferstich erfuhr durch ihn eine neue Belebung.

Hubertus von Pilgrim, geboren 1931 in Berlin, hochgebildet, in mehreren Wissenschaften einschließlich Theologie und Philosophie zu Hause, ein Freund der Literatur und da besonders der Lyrik, ausgebildet bei berühmten Künstlern wie Bernhard Heiliger, Ernst Heckel und anderen, war ein begnadeter, im In-und Ausland hoch geehrter akademischer Lehrer.

Er war von imposanter Gestalt und hatte eine empfindsame Seele. Ärgerlich und traurig konnte er werden, wenn er mit Menschen zu tun hatte, die bei irgendwelchen Verhandlungen nicht spürten, welche Kraft von seinen Schöpfungen ausgeht und was er damit sagen wollte. Sein liebster Ort blieb das Atelier. Hier öffnete er sich auch und sprach auch sehr Persönliches, wenn man dem Freund einige Handlangerdienste bei seiner Arbeit leisten durfte. Der Verlust seiner Frau Barbara nach tückischer Krankheit hat ihn schwer getroffen. Nun ist er ihr gefolgt.

Frank Höpner