Judenverfolgung im Würmtal


Dr. med. Erich Aschenheim

Geboren am 4. Februar 1882 in Berlin

Der Sohn von Leopold Aschenheim (von 1892 bis 1906 Direktor der Berliner Elektricitäts-Werke) und seier Ehefrau Anna, geborene Somon, studierte Medizin in München und Berlin. Erich Aschenheim heiratete 1906 die in Berlin 1881 geborene Charlotte Ehrmann, mit der er drei Töchter hatte. Nach seiner Promotion im Jahr 1907 absolvierte er die Ausbildung zum Kinderarzt am Dr. von Haunerschen Kinderspital in München, wo er bis 1909 als Assistenzarzt wirkte. Seine berufliche Kariere setzte er in Kinderkliniken in Heidelberg, Dresden und Düsseldorf fort. Am 9. Oktober 1920 heiratete er in zweiter Ehe die am 7. Mai 1899 in Düsseldorf geborene Annemarie Clara Appelius. 1921 wurde er in Remscheid als Stadtmedizinalrat für die Gesundheitsfürsorge zuständig.
Im März 1933 wurde er durch die nationalsozialistische Stadtverwaltung “bis auf weiteres beurlaubt”, noch bevor durch das “Gesetz zur Widerherstellung des Berufsbeamtentums” jüdische Beamte entlassen wurden. Nachdem er am 23. Mai 1934 endgültig in Ruhestand versetzt wurde, zog er zusammen mit seiner Ehefrau und den zwei gemeinsamen Töchtern nach Krailling in die Georg-Schuster-Straße 26. In Krailling betrieb er eine Praxis als praktischer Arzt, die er aufgeben musste, da ihm als Juden am 30. September 1938 die ärztliche Approbation aberkannt wurde. Im November 1938 wurde Aschenheim in Düsseldorf in der Wohnung seines Schwiegervaters von der Gestapo verhaftet und im Polizeigefängnis inhaftiert. Auf Betreiben seines Schwiegervaters kam er noch im selben Monat frei und kehrte zurück nach Krailling. Dort stand er unter Polizeiaufsicht. Seine Bemühungen um Auswanderung scheiterten. Am 4. Mai 1941 ist er nach einem Suizid mit Zyankali in Krailling gestorben. In der Sterbefall-Anzeige ist die evangelisch-lutherische Religonszugehörigkeit vermerkt, der Zwangsvorname “Israel” markiet ihn als Juden im Sinne der “Nürnberger Rassengesetze”. Seine nichtjüdische Ehefrau Annemarie schrieb laut der Gemeindechronik Planegg (Grau, Anton; Geschichte Planeggs im 19. und 20. Jahrhundert, in: Planegg, Geschichte und Geschichten, Bd. II, 2009, Gemeinde Planegg) am 1. Oktober 1956 wegen eines Rückerstattungsverfahrens an die Finanzmittelstelle München:

„Meinem Mann wurde – wie allen jüdischen Ärzten – im Oktober 38 laut Gesetz die ärztliche Approbation aberkannt. Damit war die Weiterführung der Praxis verboten.
Eine Übergabe an einen nichtjüdischen Kollegen war aber damals nicht mehr möglich. Mein Mann empfahl seinem damals schon sehr zusammengeschmolzenen Patientenkreis, sich an Dr. Wolfgang Stoeger, Planegg, heute Rudolf v. Hirschstr., zu wenden. Herr Dr. Stoeger hatte sich als einziger der Kollegen immer vorbildlich gegenüber meinem Mann verhalten, hat auch später bei einem Selbstmordversuch meines Mannes und dem drei Monate später erfolgten Selbstmord sich in einer menschlich hochstehenden Art unserer angenommen.
Dies bewog mich, nach dem Tod meines Mannes ihm den Teil der Instrumente, die er gebrauchen konnte, zu übermitteln.
Als eigentlicher Nachfolger meines Mannes – ohne Ankauf der Praxis – ist Herr Dr. Engelberg anzusehen, der sich in Krailling als Arzt niederließ und sehr bald alle Kassen bekam, da sonst in Krailling kein Arzt tätig war. Er übernahm den Großteil früherer Patienten meines Mannes. Weder zu Lebzeiten meines Mannes noch später haben wir aber eine Forderung an Herrn Dr. Engelberg auf Ablösung der Praxis gestellt. Wir hätten unter den damaligen Verhältnissen vielleicht einen Anspruch erheben können, Rechtskraft hätte er doch nicht erlangt. Außerdem hatte sich dank der üblen Hetze eines fanatisch nationalsozialistischen Kollegen in Planegg die zuerst außerordentlich gut gehende Praxis meines Mannes stark verringert, sodaß Herr Dr. Engelberg uns kaum regresspflichtig erschien. Die Bevölkerung war verängstigt durch die Machenschaften des Herrn N. N. Nach dem Zusammenbruch versuchte er dann, mein Schweigen in der Spruchkammer zu ‘erkaufen’, was ich aber ablehnte. Der eigentliche Schädiger der Praxis meines Mannes ist aber diesem Herrn zu verdanken.“

Erich Aschenheim: Schreiben wegen Namensänderung an die Gemeinde Krailling vom 3. Januar 1939 (Bild Gemeindearchiv Krailling)Bild: Gemeindearchiv Krailling
Erich Aschenheim: Schreiben wegen Namensänderung an die Gemeinde Krailling vom 3. Januar 1939
Quellen
Grau, Anton; Geschichte Planeggs im 19. und 20. Jahrhundert, in: Planegg, Geschichte und Geschichten, Bd. II, 2009, Gemeinde Planegg
Gemeindearchiv Krailling
Andrea Autenrieth; Ärztinnen und Ärzte am Dr. von Haunerschen Kinderspital, die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung wurden, Dissertation, 2012
Emanuel Ast

Geboren am 2. November 1887 in Lemberg (damals Österreich).

Der Kaufmann war Teilhaber der Firma Ast & Rupprecht, einem Groß- u. Kleinhandel mit Tuchen in der Maffeistraße 6 in München. Am 16. August 1920 heiratete er in München Margarete Schelter, geboren am 17. Februar 1891 in München. Das Ehepaar ist am 18. November 1921 von München nach Gräfelfing in die Bahnhofstraße 83 umgezogen. Im Melderegister ist Emanuel Ast als Eigentümer des Hauses eingetragen, seine Religion ist israelitisch (jüdisch), die der Ehefrau Margarete ist katholisch. 1929 stellte Emanuel Ast einen Antrag auf Einbürgerung, der abschlägig beschieden wurde, da er mit der Zahlung der Steuern im Verzug war. Am 28. Juni 1933 ist er von Gräfelfing nach Berlin weggezogen, am 15 Juli 1933 meldete er in München sein Gewerbe ab. Am 26. Juli 1943 verübte er in Berlin-Wilmersdorf in der Kunz-Buntschuh-Str. 12 Suizid.

Emanuel Asts Mutter Rosa(Marjen Rosche) Ast, geborene Hübsch, geboren am 10. August 1861 in Lemberg, wurde am 20. August 1942 aus der Kunz-Buntschuh-Str. 12 in Berlin nach Theresienstadt deportiert, sie starb dort am 05. Juli 1943 an „Altersschwäche“.

Bild: holocaust.cz
Rosa Ast: Todesanzeige Theresienstadt
Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Gräfelfing
Arolsen Archives
holocaust.cz

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Gedenkbuch München
Leopold (Leo) Braun

Geboren am 18. Februar 1878 in Würzburg.

Leopold Braun wuchs in Würzburg auf, wo der Vater eine Weingroßhandlung betrieb. Er nahm am Ersten Weltkrieg als Frontkämpfer teil. Bis September 1938 war er als Immobilienvermittler in München in der Aldringenstraße 2/II tätig. Leopold Braun gehörte der jüdischen Religionsgemeinschaft an, seine Ehefrau Elfriede Braun war nichtjüdisch, sodass er durch die „Mischehe“ vor Deportation geschützt war. Das Ehepaar wohnte in München in der Schellingstraße 11. Leopold Braun ist am 27. August 1947 im DP-Hospital/Lungensanatorium Gauting an Herzschwäche gestorben. Seine Mutter lebte zuletzt ebenfalls in München, sie starb am 25. Mai 1934. Seine Schwester Emma Müller (geboren am 26. Mai 1880 in Würzburg) wurde am 25. November 1941 in Kaunas ermordet.

Bild: Stadtarchiv München KKD 0476
Leopold Braun
Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Gauting
Babette Renate Casella

Geboren am 25. Oktober 1885 in Aschaffenburg, geborene Hamburger.

Babette Casella lebte mit ihrem Ehemann Maximilian Casella (* 1879) seit 1917 in Planegg. 1921 bzw. 1926 kauft das Ehepaar zwei Bauplätze und baut 1929 ein Wohnhaus in der Thürheimstraße 9. 1929 bauten sie ein Wohnhaus in der Thürheimstraße 9. 1939 überließ Babette Casella den Hälfteanteil ihrem Ehemann Maximilian Casella. Der Regierungsrat und Major a. D. wurde als „jüdisch versippter“ Beamter frühpensioniert und starb am 8. Juni 1941 in München. Daraufhin erbte die Tochter Mathilde Casella das ganze Anwesen Thürheimstraße 9. Babette Casella, die evangelisch war, galt aufgrund ihrer jüdischen Herkunft nach den NS-Ressegesetzen als Jüdin.
Dazu berichtet die Gemeindechronik (Grau, Anton, Geschichte Planeggs im 19. und 20. Jahrhundert, in: Planegg, Geschichte und Geschichten, Bd. II, 2009, Gemeinde Planegg):

„Am 03.03.1936 erkundigte sich der Planegger Bürgermeister beim Standesamt Aschaffenburg nach Renate Babette Casella, geb. am 25.10.1885 in Aschaffenburg, sie soll jüdischer Abstammung sein. Dies würde den Wegfall der Wahlberechtigung zur Folge haben. Die Antwort lautete: Renate Babette Casella ist die Tochter der Metzgermeisterseheleute Eduard und Jeanette Hamburger, beide israelitisch.“

Durch den Tod ihres „arischen“ (nichtjüdischen) Ehemanns war Babette Casella nicht mehr durch die „Mischehe“ vor einer Deportation geschützt. Sie wurde am 12. Januar 1944 in Planegg von der Gestapo abgeholt, wie es in der erwähnten Gemeindechronik heißt:

„Am 01.07.1944 berichtete der Planegger Bürgermeister dem Landrat  in München: ‚Die Jüdin Casella Renate Babette Sara, geb. im Aschaffenburg, ist seit 12. Januar 1944 von Planegg, Thürheimerstr. 9, abgewandert (Gestapo).‘“

Am 14. Januar 1944 wurde Babette Casella von München nach Theresienstadt unter der Transportnummer 1260-II/30 deportiert. Der Transport umfasste 33 Personen, von denen 24 überlebt haben. Auch Babette Casella wurde in Therseienstadt am 9. Mai 1945 befreit. Sie kehrte nach Planegg zurück und wurde von ihrer Tochter Mathilde Casella am 25. Juni 1945 beim Einwohnermeldeamt Planegg wieder angemeldet, wobei als letzter Wohnort das Konzentrationslager Theresienstadt angegeben wurde.
In der Gemeindechronik heißt es:

„Trotz der vom Planegger Bürgermeister veranlassten Deportierung in das KZ Theresienstadt war dieser bewundernswerten Frau ihre Liebe zur Heimatgemeinde Planegg wichtiger als Hass und Vergeltung. Am 31.10.1955 schrieb Frau Renate Babette Casella an Bürgermeister Dr. Heizer: ‚Planegg ist mir und meinem Mann zur lieben Heimat geworden, nachdem er in der Planegger Heilstätte seine Gesundheit wieder herstellen konnte im 1. Weltkrieg. Seit 1917 leben wir hier und lieben Planegg und seine Wälder.‘“

Babette Casella starb am 20. Februar 1959 in München. Die Tochter Mathilde (Tilla) Casella (* 1. August 1923 in München) war wie der Vater katholisch. Die kaufmännische Angestellte entkam als „Halbjüdin“ der Deportation.

Bild: Arolzen Archives
Aus der Transport-Kartei der Jüdischen Gemeinde Prag
Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Planegg
Gemeindechronik "Grau, Anton; Geschichte Planeggs im 19. und 20. Jahrhundert", in: Planegg, Geschichte und Geschichten, Bd. II, 2009, Gemeinde Planegg
Arolsen Archives
Datenbank holocaust.cz

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Gedenkbuch München
Mathilde (Tilla) Casella

Geboren am 1. August 1923 in München.
Die Tochter von Babette Renate und Maximilian Casella war wie der Vater katholisch und wohnte mit den Eltern in Planegg in der Thürheimerstraße 9. Vom September 1939 bis März 1940 besuchte die Schülerin das Institut (Pensionat) St. Josef in Zangberg/Mühldorf. Vom 2. Oktober 1942 lebte sie in Staufen im Breisgau und kehrte am 25. Oktober 1942 nach Planegg zurück. Die kaufmännische Angestellte entkam als „Halbjüdin“ der Deportation und zog am 28. April 1947 als Hausangestellte in die britische Besatzungszone nach Düsseldorf in die Moorenstraße 5.

Quellen
Gemeindearchiv Planegg
Ernst Darmstaedter

Geboren in Mannheim am 13. Januar 1877.
Ernst Darmstaedter, ein Neffe des Chemikers Ludwig Darmstaedter (1846 Mannheim – 1927 Berlin) promovierte an der Universität Heidelberg am 20. Februar 1901 zum Dr. phil. Seine 1902 in Heidelberg erschienene Dissertation in Chemie schrieb er über das „Hydrazid der n-Tetramethylendicarbonsäure Adipinsäure“. Er war Mitarbeiter zahlreicher Fachzeitschriften, schrieb unter anderem für die „Alchemistischen Blätter“ (ab 1929: „Archiv für alchemistische Forschung“), „Archeion“ und die „Zeitschrift für Assyrologie“. 1922 erschien in Berlin sein 1969 nachgedrucktes Werk „Die Alchemie des Geber“. Von 1922 bis 1928 war er Herausgeber der „Münchner Beiträge zur Geschichte der Naturwissenschaften und Medizin“. Er war ledig und gehörte der jüdischen Religionsgemeinschaft an. Im März 1934 zog er aus München, wo er in der Arcisstraße 28 wohnte, nach Stockdorf bei Gauting in die Bennostraße 83 ½. Am 12. November 1938 beging er in Stockdorf einen Suizidversuch durch Veronal und verstarb am 13. November 1938 in München in der Klinik Ziemssenstraße 1.

Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Gauting

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Gedenkbuch München
Frieda Eder

Geboren am 26. Januar 1892 in Aschaffenburg, geborene Solinger.
Ihr Vater (geboren am 14. März 1863 in Goldbach, gestorben 30. März 1915 in Bonn) betrieb in München in der Frohsinnstraße 10 und 24 die Herrenkleiderfabrik W. Solinger & Cie, die nach seinem Tod von Sohn Manfred geleitet wurde. Frieda Solinger besuchte die Höhere weibliche Bildungsanstalt Aschaffenburg bis zum 1. Seminarkurs. Am 12. Oktober 1916 heiratete sie in Würzburg Josef Eder, geboren am 11. Oktober 1882 in Großostheim bei Aschaffenburg. Das Ehepaar zog am 17. April 1936 von Aschaffenburg nach Gräfelfing in das Haus Aribostraße 51, dessen Besitzer Josef Eder war. In den Meldeunterlagen ist bei beiden die katholische Religionszugehörigkeit vermerkt; Josef Eder wird als Landgerichtsdirektor i.R. geführt, weil er als „jüdisch versippter“ Beamter zwangspensioniert wurde. Frieda Eder galt wegen ihrer jüdischen Herkunft nach den Nazi-Gesetzen als Jüdin, entkam aber durch die „Mischehe“ der Deportation. Sie starb am 1. März 1954 in Gräfelfing, ihr Ehemann am 24. März 1963 ebenfalls in Gräfelfing. Auch die Söhne Heinz Friedrich (geboren am 10. Juni 1918 in Würzburg) und Paul (geboren am 13. September 1921 in Aschaffenburg), beide katholisch, entkamen als „Mischlinge 1. Grades“ der Deportation.
Friedas Bruder Manfred Solinger (geboren am 23. Mai 1893 Aschaffenburg), emigrierte nach Palästina, kehrte nach dem Krieg nach Deutschland zurück und ist am 27. September 1952 in München gestorben. Bruder Gustav Solinger (geboren am 8. Februar 1895 in Aschaffenburg) wurde am 24. Dezember 1938 im KZ Dachau ermordet.

Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Gräfelfing
Walter Goldstern

Geboren am 31. Mai 1905 in Bukarest, Rumänien.
Der Diplomingenieur Walter Goldstern lebte bereits von 1915 bis 1928 in München, dann bis 1931 in Berlin. Er heiratete am 21. Dezember 1929 in München die Photographin Charlotte Fuchs (geboren am 8. Mai 1906 in Chemnitz). In Berlin-Zehlendorf wurde am 23. Dezember 1931 die Tochter Elisabeth geboren. Vom 20. Januar 1934 lebte die Familie in München in der Siegfriedstraße 3/I und zog am 1. April 1935 nach Stockdorf in die Zugspitzstr. 89. Walter Goldstern gehörte der jüdischen Religionsgemeinschaft an, seine Ehefrau Charlotte Goldstern war evangelisch. Durch die „Mischehe“ beziehungsweise als „Mischling 1. Grades“ waren Walter Goldstern und die Tochter Elisabeth vor Deportation geschützt. Zum 1. Mai 1936 meldete sich die Familie nach Wien XVIII (Währing) in die Hockestraße 16a ab. Weitere Informationen über das Schicksal der Familie liegen nicht vor.

Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Gauting
Richard Grunwald

Geboren am 25. November 1884 in Köln-Deutz
Er war mit Hedwig Bamann, geboren am 24. Januar 1883 in Hechingen, verheiratet (Heirat am 20. April 1909 in Berlin-Steglitz). Richard gehörte der jüdischen Religionsgemeinschaft an, Hedwig war katholisch. Richard Grunwald war Besitzer des Deinhauswerkes, eines Sägewerks, an der Trifthofstraße 21 in Weilheim. Im Januar 1937 gab er die Inlandsproduktion an den Kaufmann Hubert Gebele aus München ab, blieb aber weiter im Betrieb tätig. Er wurde 1937 vom Schöffengericht Weilheim zu einer Strafe von 3 Monaten Gefängnis und 200 Reichsmark verurteilt, da er Lohnrestzahlungen angeblich nicht rechtzeitig an die Arbeiter weiter gab. 1938 wurde die Firma “Wehobau” (Weilheimer Holzhaus- und Barackenbau GmbH), wie sie inzwischen hieß, arisiert. Richard Grunwald verzog im Mai 1938 mit seiner Familie nach München. Von hier aus emigrierte er im Dezember 1938 zunächst in die Niederlande. Ende April 1939 lebte er in Brüssel (Belgien), im Sommer 1942 befand er sich offensichtlich im Department Tarn-et-Garonne. Am 26. August 1942 wurde dort eine Razzia gegen die Juden mit ausländischer Staatsangehörigkeit durchgeführt. 173 Personen, darunter Richard Grunwald, wurden verhaftet und in das Internierungslager Septfonds eingewiesen. Deportiert wurde Richard Grunewald am 9. September 1942 mit dem Transport Nr. 30 von Drancy nach Auschwitz, wo er ermordet wurde. Von dem 1.000 Personen umfassenden Konvoi wurden unmittelbar nach der Selektion 909 Menschen von der Rampe in die Gaskammern geschickt. Laut Erklärung des Amtsgerichts München wurde Richard Grunwald mit Wirkung ab 31. Dezember 1942 für tot erklärt.
Am 30. März 1939 schrieb die Zollfahndungsstelle München an die Gestapo um zu verhindern, dass die Söhne von Richard Grunwald Arnold und Bernd (nach der Nazi-Terminologie „Mischlinge 1. Grades“) sowie seine Ehefrau Hedwig Auslandspässe erhielten: “Da die Gefahr besteht, daß sich diese mit dem Vater im Ausland treffen und noch vorhandene Werte dabei verschieben oder Verabredungen zum Schaden des Reichs dabei treffen”. 1948 verzog Hedwig Grunwald mit den Familien ihrer Söhne von München nach Gräfelfing in die Radlbäckstraße 23. Hedwig Grunwald ist am 21. September 1957 in Gräfelfing gestorben.
Der Sohn von Hedwig und Richard Grunwald Arnold Paul Grunwald wurde am 7. Dezember 1910 in Berlin-Steglitz, geboren und heiratete im Dezember 1945 in München-Pasing Grete Gwinner, geboren am 5. Juli 1911 in Pforzheim. Laut Meldekarte zog er im August 1948 von Pasing nach Gräfelfing in der Radelbäckstraße 23, sein Beruf war Techniker, er und seine Frau waren ohne Bekenntnis. Die Familie mit der Tochter Eva Maria Ruth wanderte am 16. März 1952 nach Chicago in die USA aus.
Bruder Bernd Grunwald, geboren am 9. September 1916 in Berlin, heiratete Eleonore Müller, geschiedene Schmelcher, geboren am 12. Februar 1908 in Niederpöcking. Eleonore war katholisch, Bernd ohne Bekenntnis. Aus der ersten Ehe von Eleonore stammt die Tochter Lore. Bernd ist mit seiner Familie 1948 aus München-Pasing nach Gräfellfing in die Radelbäckstraße 23 zugezogen. Er ist in Gräfelfing verstorben.

Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Gräfelfing

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Gedenkbuch München
Irma Heinrich

Geboren am 25. April 1908 in München.
Irma Heinrich wohnte nach Angaben des Stadtarchivs München in Gauting in der Unterbrunnerstraße 8, ab 14. April 1937 in München in der Waltherstraße 33/II und ab 17. Juli 1944 in München in der Heimstättenstraße 19/0. Sie besuchte von Mai 1922 bis April 1927 das Luisengymnasium. Dort war sie später auch Studienassessorin. Irma Heinrich war ledig, sie gehörte der jüdischen Religionsgemeinschaft an, aus der sie am 27. Januar 1934 ausgetreten ist. Als „Mischling 1. Grades“ entging sie der Deportation.

Quellen
Stadtarchiv München
Freiherr Rudolf von Hirsch

Geboren am 7. November 1875 in München.
Rudolf von Hirsch entstammt dem Planegger Zweig der Familie von Hirsch. Sein Urgroßvater war der Hofbankier Jakob von Hirsch (geboren am 22. September 1765 in Gaukönigshofen bei Ochsenfurt, gestorben am 24. Dezember 1840 in Planegg), der als erster bayerischer Jude 1817 von König Maximilian I. in den erblichen Adelstand erhoben wurde. 1824 erwarb Jakob von Hirsch vom Grafen Thürheim die Landgüter Planegg, Krailling und Fronloh, 1835 errichtete er in Planegg zwischen dem Schloss und dem Ort ein großes Brauhaus und erhielt 1836 von der Regierung die Konzession, Bier zu brauen.
Rudolf von Hirsch schloss das Studium der Naturwissenschaften in München und Berlin mit einer Promotion und wurde der Assistent des berühmten Physikers Wilhelm von Röntgen. Ab 1916 nahm er am Ersten Weltkrieg teil und schied als Leutnant der Landwehr 1919 aus der Armee aus. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse sowie dem Militärverdienstorden von Bayern mit Schwertern ausgezeichnet.
Nach dem Tod seines Vaters Emil von Hirsch (1837 – 1917) wurde Rudolf von Hirsch 1918 Schlossherr und Gutsbesitzer von Planegg. Er hatte am 9. Oktober 1900 in Ortenberg Elisabeth McDonald (geboren 27. September 1870 in Chicago, USA, gestorben am 22. Oktober 1910 in Davos, Schweiz) geheiratet, mit der er die Söhne Donald Karl James (geboren am 22. September 1901 in München), Theodor Emil Herbert (geboren am 14. August 1903 in München) und Rudolf Ferdinand Josef (geboren am 18. November 1905 in München) hatte. In zweiter Ehe hatte Rudolf von Hirsch am 29. September 1919 in Planegg Freifrau Elisabeth von Kobell geheiratet.
Obwohl bereits die Eltern katholisch waren, galt Rudolf von Hirsch sowie seine Geschwister Dr. Karl Freiherr von Hirsch und Ida Freifrau von Hirsch, verheiratete von Feury, nach den Nazi-Gesetzen als Juden, seine Kinder als „jüdische Mischlinge“. Während der Pogromnacht vom 9. auf 10. November 1938 verübten SS-Männer in Zivil unter der Leitung von Christian Weber, Kreistagspräsidenten von Oberbayern und Vorsitzender der der NSDAP-Fraktion im Münchner Stadtrat, einen Brandanschlag auf das Schloss Planegg. Hintergrund war die Weigerung Hirschs, Jagdrechte auf seinem Gut an Weber abzutreten.
Die Gemeindechronik (Ditsch Fritz; Die Familie von Hirsch, in Planegg, Geschichte und Geschichten, Band II-1, Gemeinde Planegg 2009) zitiert die Schilderung der Ereignisse durch Herbert Funk:

„4.30 Uhr die Feuersirene am Rathaus heult auf, das heißt brennen tuts. Mein Vater Mitglied der Feuerwehr eilt zum Feuerhaus und rückt mit dem offenen Löschfahrzeug zur Brandstelle aus. Es brennt im Schloß. … Am Schloßtor wurde die Feuerwehr von SS Soldaten mit vorgehaltener Pistole empfangen – Löschen verboten – Landesverrat – sofort umkehren. Durch die Sirene sind Guts- und Forstarbeiter aufgeschreckt worden und wollten zum helfen und löschen kommen. Der SS wurde die Menschenmenge zuviel und rückte schnellstens ab. Man hatte die Telefonleitung durchgeschnitten, aber nicht gewußt daß von der Küche eine zweite Leitung, auf welche alarmiert wurde, existierte. Der Brand, welcher im Büro gelegt wurde, konnte vom Schloßpersonal gelöscht werden. Mein Vater kam überaus aufgeregt von diesem Einsatz zurück. Mir blieb dieses Erlebnis in schauriger Erinnerung. Diese Nacht kann keiner vergessen, der sie miterlebt hat.“

Die Gemeindechronik führt außerdem den verharmlosenden Monatsbericht des Regierungspräsidenten von Oberbayern vom 10. Dezember 1938 an:

„Zu einer größeren Aktion kam es gegen den Juden Frhr. von Hirsch in Planegg, wo Demonstranten auch einen Brand im Schloß verursachten, wobei mehrere Zimmer ausbrannten. Der Brand konnte jedoch alsbald wieder gelöscht werden. Von den Angestellten des Juden wurde einer durch einen Pistolenschuß leicht verletzt. Der Umstand, daß die Feuersirene läutete, die Feuerwehr ausrückte – ohne jedoch eingreifen zu können – und Schüsse fielen, hat die Bevölkerung beunruhigt, Wesentlicher Sachschaden ist nicht entstand.“

Laut der Gemeindechronik wurde:

„Dr. Karl von Hirsch, der Bruder Rudolfs, der als Brauereibesitzer und Privatier in Planegg lebte, zudem auch Hauptmann der Reserve des 7. Feld. Art.-Regiments war, von Angreifern in den Schlossteich geworfen. Er erlitt einen Schädelbruch und wurde erst nach einigen Abweisungen durch verschiedene Kliniken ärztlich versorgt. Dr. Rudolf Freiherr von Hirsch und seine zwei Söhne Theodor und Ferdinand wurden noch in dieser Nacht in Schutzhaft genommen, im Münchner Polizeipräsidium verhört und acht Tage im KZ Dachau festgesetzt. 1938 wurden das Schloss und das gesamte Gut zugunsten der Stadt München, der damaligen Hauptstadt der Nationalsozialistischen Bewegung, enteignet, die gutseigenen Jagdrechte pachtete Christian Weber.“

Am 3. Juni 1942 wurden Rudolf von Hirsch, der sieben Monate davor in der Gestapo-Haft verbracht hatte, sein älterer Bruder Dr. Karl Moritz Freiherr von Hirsch und seine Schwester Ida Freifrau von Hirsch (geboren 23. November 1877 München, gestorben am 23. November 1957 auf Gut Thailing bei Steinhöring), verheiratet mit Friedrich Freiherr von Feury auf Hilling, als „Prominente“ mit dem ersten Transport von München in das Ghetto Theresienstadt deportiert (Ankunft am 4. Juni 1942). Von den insgesamt 50 Personen dieser Deportation überlebten zehn die Schoa. Karl Moritz von Hirsch starb am 3. Juni 1944 in Theresienstadt aufgrund der unerträglichen Lebensbedingungen. Rudolf von Hirsch und Ida von Feury wurden in Theresienstadt am 8. Mai 1945 durch die Rote Armee befreit. Rudolf von Hirsch kehrte am 6. Juni 1945 nach Planegg zurück. Aus Dankbarkeit für seine glückliche Heimkehr stellte Rudolf von Hirsch Bauland für die sogenannte Naumann-Siedlung zur Verfügung. In Anerkennung seiner Verdienste wurde er 1953 Ehrenbürger von Gräfelfing und Planegg und erhielt das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Er starb 25. Mai 1975 im Alter von 99 Jahren in Planegg.

Zu den Söhnen von Dr. Rudolf Freiherr von Hirsch und Elisabeth, geborene MacDonald, liegen folgende Informationen vor:


Donald Karl James Freiherr von Hirsch (geboren am 22. September 1901 in München) nahm 1921 an den Kämpfen des Freikorps Oberland in Oberschlesien teil. Am 5. Februar 1931 hat er in Frankfurt am Main Katharina Bachert (geboren am 25. April 1902) geheiratet. Am 5. Juni 1936 kam er von Frankfurt am Main nach Meran/Italien und ging am 17. September 1938 nach London, wo er später der erste Direktor des Goethe-Instituts wurde.


Theodor Emil Herbert Freiherr von Hirsch (geboren am 14. August 1903 in München) hat Chemie studiert und am 16. Februar 1919 an der Universität München promoviert. Am 18. August 1937 hat er in London Hertha Amalie Irene Anna Sofie Freiin von Perfall (geboren am 6. September 1911 in Greifenberg) geheiratet, weshalb gegen ihn nach dem “Blutschutzgesetz” ermittelt wurde, weil er zwei jüdische Großeltern hatte, während die Braut “arisch” war. In der “Reichspogromnacht” vom 9. auf 10. September 1938 wurde er zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder Rudolf Ferdinand Josef verhaftet und acht Tage im KZ Dachau interniert. Am 17. April 1939 wurde er wegen “politischen Verhaltens” von der Gestapo erkennungsdienstlich behandelt. Von 1939 bis 1940 diente er bei der Wehrmacht, ab 1944 musste er wie sein Bruder Rudolf Ferdinand Josef Zwangsarbeit in einem Salzbergwerk bei Magdeburg leisten.
Rudolf Ferdinand Josef Freiherr von Hirsch (geboren am 18. November 1905 in München) hat laut der Gemeindechronik am Frankreichfeldzug teilgenommen und wurde 1941 er aus der Wehrmacht ausgeschlossen. 1944 deportierten ihn die Nationalsozialisten zusammen mit seinem Bruder Theodor Emil Herbert Freiherr von Hirsch zur Zwangsarbeit in ein Salzbergwerk bei Magdeburg. Ferdinand von Hirsch starb am 17. März 2001 in seinem Schloss Planegg.

Bild: Theresienstadt Lexikon ghetto-theresienstadt.de
Rudolf von Hirsch
Bild: Theresienstadt Lexikon ghetto-theresienstadt.de
Rudolf von Hirsch: Theresienstadt-Karteikarte
Bild: Arolsen Archives
Ida von Feury auf Hilling: Transport-Karteikarte
Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Planegg
Kreiler, Dr. Bernd; Rudolf und Karl Moritz von Hirsch im Ghetto Theresienstadt, in der Gemeindechronik Planegg 2009
Ditsch Fritz; Die Familie von Hirsch, in Planegg, Geschichte und Geschichten, Band II-1, Gemeinde Planegg 2009
Jüdisches Museum Hohenems
Freiherr Karl Moritz von Hirsch

Geboren am 8. Juli 1871 in München.
Karl Moritz von Hirsch schloss sein Studium an den Universitäten München und Berlin mit einer Promotion in Chemie ab. Am 22. Januar 1915 wurde er zum Hauptmann der Landwehr ernannt, nahm am Ersten Weltkrieg teil und erhielt hohe Auszeichnungen. Nach dem Krieg bemühte er sich um das deutsche Brauwesen und leitete die Brauerei in Planegg. Er war Vizepräsident des deutschen Automobilclubs. In erster Ehe, geschlossen am 4. Oktober 1902 in Planegg, war er mit Margarete von Schwind (geboren am 2. Oktober 1882 in Bubna/Böhmen, gestorben am 27. November 1949 in Kottgeisering) verheiratet. Diese Ehe wurde am 5. Dezember 1910 geschieden. Sein Adoptivkind (adoptiert am 11. August 1911) Elfriede von Griesheim war seit Januar 1930 mit dem Rechtsanwalt Kurt von Griesheim, einem NSDAP-Mitglied, verheiratet. Am 15. April 1913 hat er in New York erneut geheiratet, und zwar Veronika Ellen Koch, geb. Remmelmayer (geboren am 21. Oktober 1881 in Inningen, gestorben am 17. Januar 1938 in München).
Laut der Gemeindechronik (Ditsch Fritz; Die Familie von Hirsch, in Planegg, Geschichte und Geschichten, Band II-1, Gemeinde Planegg 2009) war Dr. Karl Freiherr von Hirsch ein lebenslustiger Mensch, schnelle Autos waren sein Freizeitvergnügen. Oskar Maria Graf schildert in seinem Buch

„Das Leben meiner Mutter“ einen Unfall seines Vaters, in dem Dr. Karl von Hirsch verwickelt war: Mein Vater war mit dem Pferdefuhrwerk unterwegs nach Starnberg. Beim Herannahen eines Autos wurde das Pferd nervös, blähte schnaubend die Nüstern und niemand mehr konnte es halten. Mein Vater wurde lebensgefährlich verletzt. Auf dem Krankenbett überdachte er das Unglück und ein berserkerischer Grimm ergriff ihn. Die Automobilisten waren einfach, ohne sich um ihn zu kümmern, davongefahren. Jeder Mensch aber wußte, es war der protzige, leichtlebige Baron Hirsch mit seinen Damen gewesen, der in der weiteren Umgebung ein großes Gut und eine Brauerei besaß.“


Bei einem SS-Überfall auf das Schloss Planegg in der Pogromnacht vom 9. auf 10. November 1938 wurde er mit einem Schlagring am Kopf verletzt und in die das Schloss umfließende Würm geworfen. Er erlitt einen Schädelbruch und wurde erst nach einigen Abweisungen durch verschiedene Kliniken ärztlich versorgt. Am 3. Juni 1942 wurde er zusammen mit seinem Bruder Dr. Rudolf Freiherr von Hirsch und der Schwester Ida Freifrau von Feury auf Hilling als „Prominente“ mit dem ersten Transport aus München ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Von den insgesamt 50 Personen dieser Deportation überlebten zehn die Schoa. Karl Moritz von Hirsch starb m 3. Juni 1944 im Ghetto Theresienstadt aufgrund der unerträglichen Lebensbedingungen.

Bild: Stadtarchiv München KKD 1678
Karl Moritz von Hirsch
Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Planegg
Kreiler, Dr. Bernd; Rudolf und Karl Moritz von Hirsch im Ghetto Theresienstadt, in der Gemeindechronik Planegg 2009
Ditsch Fritz; Die Familie von Hirsch, in Planegg, Geschichte und Geschichten, Band II-1, Gemeinde Planegg 2009

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Gedenkbuch München
Berta und Hermann Kirschenblüth

Samuel Hermann Kirschenblüth wurde am 19. Februar 1911 in Meran geboren. Der selbständige Kaufmann zog am 7. Februar 1921 nach München in die Müllerstraße 29 und hat i München am 23. Mai 1934 Berta Hacker (geboren am 18. Juni 1911 in Breitenbrunn, Komitat Oedenburg/Ungarn) geheiratet. Hermann Kirschenblüth ist im Verzeichnis der in der Gemeinde Planegg wohnenden Juden vom 1. Juni 1934 aufgeführt. Ausweislich einer Mitteilung der Ortspolizeibehörde Planegg vom 14. Juni 1934 an die Polizeidirektion München gehörte Hermann Kirschenblüth und seine Ehefrau Beretader israelitischen (jüdischen) Religionsgemeinschaft an und waren staatenlos. Sie waren ab 1. Juni 1934 in Planegg in der Gumstraße 12 beim Kaminkehrermeister Josef Leeb gemeldet. In der Gemeindechronik (Grau, Anton, Geschichte Planeggs im 19. und 20. Jahrhundert, in: Planegg, Geschichte und Geschichten, Bd. II, 2009, Gemeinde Planegg) heißt es: „Die Polizeidirektion München teilte der Gemeinde Planegg noch mit, dass die Familie Kirschenblüth die Wohnung in München nicht aufgegeben hat und nur vorübergehend nach Planegg verzogen ist. Im Auszug aus dem Strafregister wird bestätigt: Nachteiliges ist nicht bekannt.“
Laut der Münchner Einwohnermeldekartei ist die Familie am 11. August 1937 über Schaan bei Vaduz/Lichtenstein in die USA emigrierte. 1963 lebte Hermann Kirschenblüth unter dem Namen Fiori in Nogales/ Arizona (USA) und starb am 15. März 2002 in Tucson, Arizona.

Quellen
Gemeindearchiv Planegg
Grau, Anton, Geschichte Planeggs im 19. und 20. Jahrhundert, in: Planegg, Geschichte und Geschichten, Bd. II, 2009, Gemeinde Planegg
Stadtarchiv München

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Gedenkbuch München
Hedwig Kitzler

Geboren am 5. März 1866 in Regensburg, geborene Loewi, verwitwete Fuchs.
Die Witwe Hedwig Fuchs, geborene Loewi, heiratete am 21. Juli 1909 in München den Oberforstmeister Jakob Kitzler (geboren am 25. Februar 1875 in Linderhof). Das Ehepaar Kitzler lebte vom 20. April 1932 bis 20. Oktober 1937 in Kehlheim, ab 21. Oktober 1937 sind sie in Stockdorf im eigenen Haus in der Alpenstraße 44 gemeldet. Hedwig Kitzler war evangelisch, wegen ihrer jüdischen Abstammung galt sie nach den NS-Gesetzen als Jüdin. Durch die „privilegierte Mischehe“ war sie aber vor Deportation geschützt. Am 8. Oktober 1945 ist Hedwig Kitzler in Stockdorf an schweren Magenblutungen verstorben und wurde nach Ettal überführt. Jakob Kitzler verstarb 1956 in München.

Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Gauting
Dr. Leopold Knopf

Geboren am 17. Januar 1876 in Bromberg in der Provinz Posen (heute Bydgoszcz, Polen).
Leopold Knopf studierte in Berlin, München, Freiburg und Göttingen Jura. Er absolvierte die Staatsprüfung 1902 und wurde 1903 in München zur Anwaltschaft zugelassen. Am 18. Dezember 1922 heiratete er in Berlin-Schöneberg Frieda Biegelmeyer, geboren am 6. August 1888 in Berlin-Charlottenburg. Ab 15. November 1924 war das Ehepaar in München in der Kolbergstraße 11/III gemeldet, am 10. Oktober 1927 zog es nach Gräfelfing in die Spitzlbergerstraße 3 um. Laut der Meldekarte war Dr. Leopold Knopf ohne Bekenntnis, die Ehefrau Frieda war evangelisch. Am 28. September 1931 erfolgte ein Umzug nach München in die Karlstraße 72/I, ab 16. November 1931 ist das Ehepaar Knopf in München in der Widenmayerstraße 12/IV gemeldet.
Dr. Knopf emigrierte am 2. November 1933 nach Lausanne in der Schweiz und lebte 1934 in Florenz, Via Miquel Angelo 1, in Italien. 1937 reiste er nach Frankreich weiter, von dort emigrierte er 1939 in die USA. Leopold Knopf starb am 22. Januar 1943 in Waynesville, North Carolina.
Das Finanzamt München setzte am 7. Februar 1939 die „Reichsfluchtsteuer“ für Dr. Leopold Knopf in Höhe von 27.027.- RM fest. Diese Mitteilung kam als unzustellbar zurück. Drei Monate später ermittelte das Finanzamt nochmals die „Reichsfluchtsteuer“ auf der Basis des Vermögenssteuerbescheids vom 4. März 1932 über 123.368.- RM, der um rund 20.000.-RM über der Berechnungsgrundlage der ersten Steuerfestsetzung lag. Die Steuerschuld betrug nunmehr 30.842.-RM. Mit Abgabe des Bescheids bei der Post galt er als an diesem Tag zugestellt und die Finanzbehörde berechnete Schuldzinsen. Sie beschlagnahmte das in Deutschland verbliebene Vermögen zur Tilgung der „Reichsfluchtsteuer“. Ein ungetilgter Rest von 23.168,80 RM blieb bestehen und führte zur Verurteilung in Abwesenheit zu 10 Monaten Gefängnis, ersatzweise Zahlung von 25.000.-RM.

Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Gräfelfing
Familie Kreutzer

Georg Kreutzer, geboren am 3. November 1863 in Nürnberg, heiratete 1886 in Liverpool Emma Cunnigham, geboren 1864 in Liverpool. Aus dieser Ehe stammt Sohn Georg Konrad, der später in Berlin lebte. Die Ehe wurde 1906 in Erfurt geschieden. In zweiter Ehe war er mit Rosalie, verwitwete Kühn verheiratet, geboren am 2. Mai 1862 in Magdeburg, gestorben 16. März 1915 in Erfurt. In dritter Ehe heiratete Goorg Kreuztz am 17. September 1919 in Erfurt Elsa Jolles, geboren am 1. Juni 1895 in Erfurt. Elsa gehörte der jüdischen Religionsgemeinschaft an, der auch Georg anlässlich der Hochzeit beigetreten ist. Am 25. Juli 1918, nach seinem vorherigen Austritt aus der evangelischen Kirche in Leipzig, wurde er in die dortige israelitische Gemeinde aufgenommen. Der Prokurist zog mit Ehefrau Elsa Kreutzer und der Tochter Marga Mia Kreutzer, geboren am 1. Juli 1920 in Erfurt, am 8. Oktober 1934 nach Gräfelfing in die Geigerstraße 5 um. In der Meldekarte von 1934 ist auch die zweite Tochter von Elsa und Georg Ruth Kreutzer erwähnt, geboren am 11. Mai 1930 in Erfurt, die vermutlich vor dem Umzug in Erfurt starb. Die Familie zog am 15. Mai 1936 nach München um. Nach der Nazi-Terminologie galt Georg Kreutzer als „deutschblütiger Bekenntnisjude”, am 15. November 1938 trat er aus der jüdischen Gemeinde aus, womit er vor der Deportation geschützt war. Georg Kreutzer starb am 14. Januar 1945 in München.

Elsa Kreutzer bemühte sich im Oktober 1939 vergeblich um eine Emigration nach England. Ihre verwitwete Mutter Selma Jolles, geborene Levy (der Vater Moritz Jolles, geboren am 14. März 1852 in Lemberg, Kaufman in Erfurt, starb am 31. Oktober 1901 in Erfurt), lebte von Oktober 1937 bis Oktober 1939 in Elsas Haushalt, dann zog sie nach Berlin zu ihrem Sohn Siegfried Jolles. Wie dieser wurde Selma Jolles am 18. Oktober 1941 von Berlin nach Lodz deportiert, beide starben im Ghetto. Elsa Kreutzer musste am 4. November 1941 eine „freiwillige“ Spende in Höhe von 2.000 RM zur Finanzierung des Lagers Milbertshofen leisten. Durch ihre „Mischehe“ mit Georg Kreutzer entkam sie der Deportation. 1948 war sie Leiterin des Kinderheimes „Schornerhof“, Post Wangen bei Starnberg. Am 25. April 1949 zog sie zu ihrer Tochter Marga nach England.
Elsa Kreutzer hatte mehrere Geschwister: Siegfried Jolles wurde am 8. Juni 1888 in Eisenach geboren, lebte in Berlin und wurde von dort am 18. Oktober 1941 ins Ghetto Lodz deportiert, wo er am 21. Januar 1942 ermordet wurde. Arthur Jolles wurde am 20. Januar 1890 in Erfurt geboren, lebte in der Heilanstalt Pfaffenrode in Thüringen und wurde am 12. Dezember 1940 in der Tötungsanstalt Bernburg ermordet. Meinhold Jolles wurde am 20. Juli 1893 in Erfurt geboren und ist am 30. September 1918 im ersten Weltkrieg gefallen. Georg Jolles wurde am 16. Dezember 1897 in Erfurt geboren und war als Kaufmann in Essen tätig.

Marga Mia Kreutzer, Tochter von Elsa und Georg Kreutzer, war Schülerin des Städtischen Lyzeums in der Luisenstraße in München. Nach der Nazi-Terminologie galt sie als „Geltungsjüdin“. Vom 1. Mai 1938 bis 9. Januar 1939 hielt sie sich in Hamburg auf, von wo sie nach Manchester (England) emigrierte. Zu ihr wanderte am 25. April 1949 ihre Mutter Elsa Kreutzer aus.

Bild: Stadtarchiv 2166
Elsa Kreutzer
Bild: Stadtarchiv KKD 2167
Marga Mia Kreutzer
Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Gräfelfing

Link
Gedenkbuch München
Kurt Landauer

Geboren am 28. Juli 1884 in Planegg.
Der kaufmännischer Angestellter Kurt Landauer wohnte in München in der Clemensstraße 41/IV. Er war Leiter der Anzeigenabteilung bei den Münchener Neuesten Nachrichten. 1901 wurde er aktiver Fußballer, später Mitarbeiter beim FC Bayern München. Von 1913 bis 1914 war er erstmals Präsident des Vereins, nahm von 1914 bis 1918 am Ersten Weltkrieg teil und wurde von 1919 bis 1933 mit einjähriger Unterbrechung erneut Vereinsvorsitzender. Unter seiner Zeit erreichte der FC Bayern 1932 die Deutsche Meisterschaft. Am 22. März 1933 musste Kurt Landauer, der wegen seiner jüdischen Religionszugehörigkeit zur Zielscheibe der Nazis wurde, seinen Rücktritt erklären. Während des Novemberpogroms wurde Kurt Landauer verhaftet und blieb für vier Wochen als „Aktionshäftling“ im KZ Dachau inhaftiert. Am 18. Mai 1939 emigrierte er nach Genf in die Schweiz.
Die Gemeindechronik Planegg (Grau, Anton, Geschichte Planeggs im 19. und 20. Jahrhundert, in: Planegg, Geschichte und Geschichten, Bd. II, 2009, Gemeinde Planegg) berichtet: „Der kaufmännische Angestellte Kurt Landauer, wohnhaft in München, Clemensstraße 41/IV, musste gemäß der 2. Verordnung über die Änderungen von Familien-und Vornamen am 17.08.19389 den Zusatznamen Israel führen. Da er am 28.07.1884 in Planegg geboren war, bat er das Standesamt Planegg, seine Geburtsurkunde entsprechend zu ändern.
Mit Schreiben vom 14.05.1939 teilte Herr Landauer der Stadtsparkasse München mit, dass er ausgewandert sei und seinen Wohnsitz nach Genf in der Schweiz verlegt habe. Nach einem Schreiben der Geheimen Staatspolizei München an das Finanzamt München wanderte Kurt Landauer am 18.05.1939 in die USA aus. Mit gleichem Schreiben wurde Herr Landauer dem Reichsminister des Innern zur Aberkennung der deutschen Reichsangehörigkeit vorgeschlagen.“
Kurt Landauer kehrte am 27. Juni 1947 nach München zurück, hier lebte er in der Virchowstraße 14. Von 1947 bis 1951 war er erneut Vorstand des FC Bayern München, außerdem Vorsitzender der Interessengemeinschaft der süddeutschen Vertragsspielervereine. Er heiratete am 27. Oktober 1955 Maria Baumann. Am 21. Dezember 1961 starb Kurt Landauer in München.

Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Planegg
Grau, Anton, Geschichte Planeggs im 19. und 20. Jahrhundert, in: Planegg, Geschichte und Geschichten, Bd. II, 2009, Gemeinde Planegg
Familie Levin

Der Chemiker Dr. Kurt Levin (geboren am 25. April 1888 in Berlin) zog am 1. April 1929 mit Frau Dora, geborene Fischer (geboren am 7. November 1889 in Berlin), und den Kindern Ludwig (geboren am 20. September 1918 in Schöneberg), Eva Johanna (geboren am 12. September 1919 in Warnemünde) und Jakob (geboren am 11. Februar 1922 in Oranienbuurg) nach Planegg in die Adolf-Wagner-Straße 1 (Hofmarkstraße). Kurt Levin gehörte der jüdischen Religion an, seine Frau und die Kinder waren evangelisch. Die Gymnasiastin Eva Johanna starb am 18. Juni 1933 im Alter von 13 Jahren.
Laut der Gemeindechronik (Grau, Anton, Geschichte Planeggs im 19. und 20. Jahrhundert, in: Planegg, Geschichte und Geschichten, Bd. II, 2009, Gemeinde Planegg) bat Dr. Levin 1938 den Planegger Bürgermeister Karl Tries, dass seine Frau für eine Reise nach England 50 Mark, statt der bisher immer bewilligten 10 Mark mitnehmen darf. Das Gesuch wurde abgelehnt. Die Gemeindechronik berichtet weiter, dass am Tag nach der so genannten Reichskristallnacht, am 10. November 1938, die jüdischen Familien in Planegg ihre Mietwohnungen räumen mussten, da den „arischen“ Mitbewohnern „nicht zugemutet werden konnte, dass sie mit Juden in einem Haus zusammenleben mussten“. Laut der Gemeindechronik schilderte Josef Gabler von Planegg anlässlich seiner Spruchkammerverhandlung diese Aktion: „Am nächsten Morgen nach der Reichskristallnacht ging der Bürgermeister von Planegg mit dem Polizeikommissär Huber und dem Ortsgruppenleiter Salier in die Judenwohnungen und führte den Ausweisungsbefehl durch. Die SA, darunter auch Gabler, marschierte mit. Zu besonderen Ausschreitungen und Gewalttätigkeiten ist es allerdings bei dieser Gelegenheit nicht gekommen. Hätten sie dies nicht getan, so wäre die SA, die mitmarschieren musste, eingesetzt worden.“
Die Gemeindechronik zitier aus einem Brief, den am 30. Dezember 1938 Dr. Kurt Levin (Postadresse München Hauptpostlagernd) an die Gemeindeverwaltung Planegg schrieb:

„Nach der erzwungenen Räumung meiner Wohnung Adolf Wagner Str. 1 hatte meine Frau im Gerichtshalterhaus an der Pasinger Straße ein Zimmer gemietet und bezahlt, nachdem ihr von Herrn Bürgermeister Tries ausdrücklich zugesagt worden war, daß sie dort wohnen dürfe. Ich höre aber jetzt, daß es ihr nicht erlaubt worden ist, die wenigen noch in Planegg befindlichen Möbel dort einzustellen. Jetzt hat Frau Traut Planegg Adolf Wagnerstraße 13 meiner Frau ein kleines möbliertes Zimmer zur vorübergehenden Benutzung angeboten. Ich frage an, ob dagegen seitens der Gemeinde Einwendungen bestehen. Zugleich frage ich an, ob meine eigene am 10. November von Herrn Bürgermeister ausgesprochene Ausweisung noch aufrechterhalten wird und wie lange.“

Als Grund für das nachträgliche Verbot, im Gerichtshalterhaus ein Zimmer zu mieten, gab der Bürgermeister an, dass der ganze Schlosskomplex an die Stadt München verkauft werden sollte, was dann 1939 auch geschah.
Kurt Levin, der in München in der Schwanthalerstraße 91gemeldet war, emigrierte am 1. Mai 1939 nach Belfast/Nordirland. Die Ehefrau Dora Levin zog nach eigener polizeilicher Abmeldung vom 12. Mai1939 ebenfalls nach Nordirland. Die Söhne Ludwig und Jakob wanderten ohne Abmeldung einige Monate früher ebenfalls nach Nordirland aus.
Die Gemeindechronik zitiert aus den Rückerstattungsakten des Leihamts:

„Kurt Levin wohnte bis November 1938 in Planegg bei München. Dort wurde er vom Bürgermeister aus seiner Wohnung vertrieben. Den schließlich noch vorhandenen Rest seiner Möbel sollte ihm, in zwei ‚Lift‘ verpackt, nach Belfast nachgeschickt werden, hat ihn aber nie erreicht.“

In der Gemeindechronik heißt es weiter:

„Am 27.10.1940 wurde der Familie Dr. Kurt Levin von der Geheimen Staatspolizei die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt.“ Kurt Levin beschäftigte sich schon in seiner Berliner Zeit eingehend mit der „jüdischen Frage, berichtet die Gemeindechronik. Unter dem Pseudonym Jakob Resch schrieb er in der Zeitschrift „Die Hochschule, Blätter für die akademische und politische Bildung“ im August 1921: „Von der bloßen Ablehnung bis zum fanatischen Haß zeigt die Judenfeindschaft alle Grade. Wir deutschen Juden stehen davor ratlos und traurig. Wir glauben, gute Deutsche zu sein. Wir sind in Deutschland geboren und aufgewachsen, unsere Geschlechter sind seit vielen Jahrhunderten in Deutschland heimisch: unsere Muttersprache ist deutsch, unsere Jugend bildete sich an den Gaben deutschen Geistes, wir durchtränkten uns ganz mit allen Schönheiten deutscher Kunst, wir liebten Deutschland, unser Heimatland.“

Er war mit dem Komponisten Hans Pfitzner befreundet und unterstützte ihn in wirtschaftlichen Nöten und Schwierigkeiten. Hans Pfitzner hat sich erkenntlich gezeigt und ihm seine Oper Christelflein gewidmet.
Die Gemeindechronik zitiert Altbürgermeister Richard Naumann, der ebenfalls in Planegg im Haus Hofmark-Straße 1 wohnte und mit der Familie Levin befreundet war:

„Acht Tage nach der Rückkehr aus dem Krieg stand im Haus Hofmarkstraße 1 ein englischer Soldat vor der Tür. Es war Ludwig Levin, genannt Pütt, dessen Eltern ab 1929 den 1. Stock unseres Hauses gemietet hatten. Sein Vater war der Chemiker Dr. Kurt Levin, ein echter Patriot mit EK 1 aus dem Ersten Weltkrieg. Ludwig Levin war 1945 als Chefdolmetscher des Generals Lucius Clay nach Deutschland zu rückgekehrt. Nach dem glücklich überstandenen Krieg feierten wir ein unvergessliches Wiedersehn.“

Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Planegg
Grau, Anton, Geschichte Planeggs im 19. und 20. Jahrhundert, in: Planegg, Geschichte und Geschichten, Bd. II, 2009, Gemeinde Planegg
Lotte Lippl

Geboren am 8. April 1906 in München, geborene Kahn.
Lotte Kahn ist in München in der Prinzregentenstraße 18/III aufgewachsen. Ab 17. Oktober 1932 wohnte sie in München in der Sturystraße 4/II und arbeitete als Säuglingsschwester. Am 4. August 1933 heiratete sie Louis Robert Lippl (geboren am 7. Dezember 1908 in Brüssel), der an der TH München Architektur studierte. Am 9. Oktober zog das Ehepaar nach Rottach-Egern und am 1. Januar 1935 nach Gauting zu und wohnte zunächst mit den Kindern Barbara Lippl (geboren am 17. März 1935 in München), Michael Lippl (geboren am 12. Juli 1936) und Josefine Lippl (geboren am 31. Januar 1938 in München in der Planeggerstraße 102 (heute Planeggerstraße 14), ab 5. Mai 1942 dann in der Ammerseestraße 7 (heute Zugspitzstraße 8). In der Einwohnermeldekartei sind alle Familienmitglieder als katholisch eingetragen, nach den NS-Gesetzen galt Lotte Lippl wegen ihrer jüdischen Abstammung als Jüdin, war aber durch die „Mischehe“ vor Deportation geschützt. Die Kinder galten als „jüdische Mischlinge 1. Grades“. Robert Lippl, der als Architekt und Bildhauer tätig war, wurde 1940 und 1942 zum Heeresdienst sowie am 20. Oktober 1944 zur Zwangsarbeit bei der Organisation Todt eingezogen. Lotte Lippl und ihre Kinder sind in einer von der Gemeinde Gauting für die Vereinten Nationen erstellten Liste „deutscher Juden“ vom 13. August 1946 aufgeführt. Nachdem sich das Ehepaar getrennt hat, wanderte Lotte Lippl mit ihren drei Kindern am 1. Juni 1949 nach Israel aus.


Robert Lippert war von 1956 bis 1974 Professor am Lehrstuhl für Grundlehre des Gestaltens an der Architekturabteilung der TU München und nach seiner Emeritierung erfolgreich als Maler und Bildhauer tätig. Von ihm stammt das 1982 geschaffene Denkmal am ehemaligen Judenlager Milbertshofen in München. Er war in zweiter Ehe mit der Malerin Greta Lippl-Heinsen verheiratet und starb am 6. Mai 2009 in Fischen.

Bild: Arolsen Archives
Lotte Lippl: Gestapo-Liste München
Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Gauting
Arolsen Archives
Louise und Julius Mannheimer

Louise Hamburger (geboren am 10. November 1889 in München) und Julius Mannheimer (geboren in Gräfenhausen bei Darmstadt am 14. Juli 1886) haben am 20. Oktober 1913 in München geheiratet. Julius Mannheimer war als Provisionsvertreter für die Firma Billigheimer & Einstein, einer Bettfedernfabrik in München in der Nockherstraße 2/0, tätig. Das jüdische Ehepaar lebte mit ihren Kindern Martin Mannheimer (geboren am 7. Dezember 1913 in München) und Irmgard Mannheimer (geboren am 27. Dezember 1914 in München), in München in der Herzog-Wilhelm-Straße 5/III. Martin emigrierte im Oktober 1936 nach Südafrika. Irmgard heiratete im Februar 1938 in Cottbus den Kaufmann Günther Stoppelmann, mit dem sie im Juni 1939 von Cottbus nach England emigrierte, später lebte sie in den USA. Nachdem Louise und Julius Mannheimer die Benachrichtigung zur „Evakuierung“ erhalten haben, verübten sie am 12. November 1941 Suizid, in dem sie sich an der Bahnstrecke zwischen Stockdorf und Gauting vor den Zug warfen.

Bild: Yad Vashem
Louise und Julius Mannheimer
Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Gauting

Links
Gedenkbuch München Louise Mannheimer
Gedenkbuch München Julius Mannheimer
Ludwig Nussbaum

Geboren am 27. Juni 1898 in Frankfurt am Main.

Der Kaufmann Ludwig Nussbaum hat am 14. Mai 1930 in München die kaufmännische Angestellte Else Sophie Julie Dorsch geheiratet, geboren am 11. Oktober 1897 in Passau. Am 26. Februar 1932 ist das Ehepaar von München nach Gräfelfing in das Haus Planegger Straße 23 gezogen, dessen Besitzer sie waren. In der Meldekarte ist für Ludwig Nussbaum die israelitische (jüdische) Religion eingetragen, für die Ehefrau die evangelische Religion. Ludwig Nussbaum wurde nach der „Kristallnacht“ am 9. November 1938 in „Schutzhaft“ genommen und im KZ Dachau inhaftiert. In einer Mitteilung an das Standesamt vom 24. Februar 1939 ist vermerkt:

„Die verspätete Anzeige ist durch meine erst jetzt erfolgte Entlassung aus dem Konz. Lager bedingt.“

Ludwig Nussbaum stellte über den Berliner „Hilfsverein für Juden in Deutschland“ beim „Far Eastern Jewish Central Information Bureau, Harbin-Shanghai“ einen Antrag auf Emigration nach Shanghai. In der Gräfelfinger Meldekarte ist vermerkt, dass er am 7. März 1939 nach Shanghai (China) ausgewandert ist. Am 15. November 1940 wurde seine Ehe mit Else geschieden.

Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Gräfelfing
Maria Offner

Geboren am 13. Februar 1869 in Göttingen, geborene Benfey.
Maria Benfey hat am 3. April 1903 in Göttingen Oberstudiendirektor Professor Dr. Max Josef Offner (geboren am 23. Dezember 1864) geheiratet, die Tochter Hilde (Hildegund) Offner wurde am 27. Mai 1904 in Ingolstadt geboren. Maria Offner wohnte mit ihrer Tochter von September 1919 bis zum 15. Oktober 1935 in Günzburg. Ob zu diesem Zeitpunkt der Ehemann noch lebte, ist nicht bekannt. Bei dem Umzug am 19. Oktober 1935 nach Gauting in die Frühlingsstraße 324 (heute 96) wurde Maria Offner in der Einwohnermeldekartei als Witwe eingetragen. Obwohl sie wie ihr verstorbener Ehemann der katholischen Religionsgemeinschaft angehörte, wurde sie wegen ihrer jüdischen Abstammung entsprechen der NS-Gesetze als Jüdin registriert. Die Tochter Hilde Offner, die ebenfalls katholisch war, wurde als „Halbjüdin“ („jüdischer Mischling 1. Grades“) eingetragen.

Maria Offner: Transport-Karteikarte (Quelle Arolsen Archives)
Maria Offner wurde unter der Transportnummer 1269-II/30 am 13. Januar 1944 (Ankunft 14. Januar 1944) von München in das Ghetto Theresienstadt deportiert (33 Deportierte) und wurde dort im Mai 1945 befreit. Sie kehrte am 13./14. Juli 1945 in ihre Gautinger Wohnung zurück und ist in einer von der Gemeinde Gauting für die Vereinten Nationen erstellten Liste „deutscher Juden“ vom 13. August 1946 erfasst. Maria Offner starb am 15. November 1951 in Gauting und wurde auf dem Waldfriedhof Gauting beigesetzt. Hilde Offner, geschiedene Albrecht, starb am 11. März 1988 in Starnberg und wurde im Grab Ihrer Mutter beigesetzt.

Maria Offner: Transport-Karteikarte (Quelle Arolsen Archives)Bild: Arolsen Archives
Maria Offner: Transport-Karteikarte
Liste „deutscher Juden“ vom 13. August 1946
Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Gauting
Arolsen Archives
Familie Silberstein

Jakob Silberstein (geboren am 25. September 1861 in Städtel, Bezirk Breslau, Schlesien/heute Miejsce, Polen) war in erster Ehe (geschlossen am 25. Januar 1888 in Breslau) mit Friederike Sand, verheiratet. Diese Ehe wurde am 1. März 1892 geschieden. Der Kaufmann heiratete am 22. Dezember 1893 in München Rosalie (Rosa) Bick (geboren am 4. Juni 1870 in Liegnitz, Schlesien/heute Legnica, Polen). Jakob Silberstein betrieb um die Jahrhundertwende eine Photographische Kunstanstalt in München im Rosental 3. Später hatte er einen Postkartenvertrieb und war als Schuhwarenhändler tätig. Rosa Silberstein betrieb von 1912 bis zum Konkurs im Februar 1932 ein Putzwarengeschäft, zuletzt in München in der Sonnenstraße 24. In München wurden die Kinder Johanna (am 13. September 1894), Elsa (am 8. April 1896), Elfriede (25. Juli 1897) und Adolf (16. Mai 1906) geboren. Die jüdische Familie wohnte ab 1. April 1914 in München in der Herzogspitalstraße 12.
Jakob und Rosa Silberstein kauften 1920 in Planegg zwei Bauplätze von der Heimstättengesellschaft. 1923 wurde das Wohnhaus Heimstättenallee 3 errichtet, in das das Ehepaar am 1. Januar 1933 umgezogen ist. Jakob Silberstein starb am 24. August 1934 in München. Rosa Silberstein zog am 18. Dezember 1936 nach München in die Leopoldstraße 21 zu ihrer Tochter Johanna, die 1918 in München Eugen Walletshauser geheiratet hat. Rosa Silberstein ist am 25. Januar 1937 in München gestorben. Johanna und ihre Schwestern Elsa (Bela), die mit dem Dentist Maximilian Reith verheiratet war, und Elfriede, die mit dem Kaufmann Anton Fischer verheiratet war, waren in den „privilegierten Mischehen“ mit ihren nichtjüdischen Ehemännern vor der Deportation geschützt.
Der Bruder Adolf Silberstein lebte ab 2. Januar 1925 in Frankfurt am Main und war als Kaufmann tätig. Am 21. November 1932 zog er zu seinen Eltern nach München in die Herzogspitalstraße 12. Am 11. Mai 1935 hat er in Frankfurt am Main Irma Johanna Schaedel, geboren am 25. Februar 1905 in Kandrzin, Oberschlesien, die evangelisch war. Das Ehepaar zog er am 1. Oktober 1938 nach Planegg in die Schlagertalerallee 3, die Tochter Eveline Renate wurde am 6. März 1940 in München geboren. Am 21. Januar 1940 emigrierte Adolf Silberstein, der später seinen Nachnamen in Sills änderte, nach New York in die USA. Seine Frau Irma folgte ihm am 4. April 1940. Die Gemeindechronik (Grau, Anton, Geschichte Planeggs im 19. und 20. Jahrhundert, in: Planegg, Geschichte und Geschichten, Bd. II, 2009, Gemeinde Planegg) zitiert dazu aus dem Bericht des Planegger Bürgermeister wegen Aberkennung der Reichsangehörigkeit an das Landratsamt München:

„Adolf Silberstein ist politisch nicht hervorgetreten, im Strafregisterauszug sind keine Strafen vermerkt. Der derzeitige Aufenthalt der Tochter Eveline Silberstein, geb. am 6. März 1940 in München, ist unbekannt.“

Die Aberkennung der Reichsangehörigkeit war Voraussetzung für eine Beschlagnahme des Anwesens in der Schlageterallee. Die Tochter Evelyne starb 1941. Adolf Sills ist mit Ehefrau Irma nach Deutschland zurückgekehrt; sie sind 1957 in München in der Behamstraße 6 gemeldet.
Zwei der vier Geschwister von Jakob Silberstein wurden in der NS-Zeit ermordet: Alexander Silberstein (geboren am 5. Juli 1875 in Staedtel) war Prokurist des Kunstverlags J. Silberstein in München,wo er von 1895 bis 1912 lebte. Er wurde von Berlin deportiert und starb in Auschwitz. Georg Silberstein (geboren am 15. Juni 1878 in Staedtel) lebte von 1900 bis 1919 in München, wurde am 22. November 1941 von Frankfurt am Main deportiert und am 25. November 1941 Kowno/Kaunas erschossen.

Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Planegg
Grau, Anton, Geschichte Planeggs im 19. und 20. Jahrhundert, in: Planegg, Geschichte und Geschichten, Bd. II, 2009, Gemeinde Planegg

Links
Gedenkbuch München Jakob Silberstein
Gedenkbuch München Rosa Silberstein
Else Steinert

Geboren am 12. Januar 1879 in Leipzig, geborene Loewenheim.
Dr. Minna Else Steinert, eine der ersten Augenärztinnen in Deutschland, entstammt einer jüdischen Familie, ihr Vater besaß eine Steindruckerei in Leipzig. Als Kind wurde Else evangelisch-reformiert getauft. Von 1885 bis 1895 besuchte sie die Servièrsche höhere Mädchenschule in Leipzig und von 1896 bis 1900 die Gymnasialkurse von Frl. Dr. Windscheid in Leipzig. Im Herbst 1900 legte sie das Abitur am königlichen Neustädtischen Gymnasium in Dresden ab. Anschließend studierte sie Medizin in Leipzig und Heidelberg und legte im Sommer 1905 ihr Staatsexamen in Leipzig ab. 1905 heiratete sie Hans Gustav Steinert (geboren 1875), der an 1901 Assistenzarzt an der Leipziger Universitätsklinik war und dort ab dem Wintersemester 1905 lehrte. 1910 wurde er zum außerordentlichen Professor berufen. Das Ehepaar bekam drei Kinder, Hedwig (geboren 1906), Elisabeth (geboren 1908) und Hans-Heinrich (geboren 1910). Else Steinert absolvierte 1907/1908 das Praktische Jahr an der Universitäts-Augenklinik und an der städtischen Pflegeanstalt in Leipzig. Sie war, nachdem ihr Ehemann 1911 verstarb, von 1914 bis 1919 Hilfsassistentin an der Universitätsaugenklinik in Leipzig. Nach ihrer Promotion in 1920 wollte sie als niedergelassene Augenärztin in Leipzig eine Praxis eröffnen, fand aber keine Möglichkeit dazu. Sie machte Praxisvertretungen, bis sie 1926 durch den Tod einer Praxisinhaberin deren Praxis in Idar-Oberstein übernehmen konnte. Als Jüdin, als die sie trotz ihrer evangelisch-reformierten Konfession im NS-Staat gilt, wird sie nach dem Gesetz vom 7. April 1933 von der kassenärztlichen Tätigkeit und allen ärztlichen Verbänden ausgeschlossen. Bis 1937 konnte sie aber in Idar-Oberstein weiterarbeiten, da sich kein Nachfolger für die Praxis fand. 1937 zog sie zu ihrer Tochter nach Großschönau in Sachsen, später lebte sie bei ihrem Sohn in Berlin. Von Februar 1944 bis zur Befreiung im Mai 1945 versteckte sie ihre Schwägerin Magdalene Große in ihrem Haus in der Pentenrieder Straße 5 in Krailling. Danach war Else Steinert als Augenärztin in Krailling tätig, wo sie bis zu ihrem Tod am 10. Juli 1948 lebte. In Krailling wurde sie auch beerdigt. Magdalene Große wurde für ihr mutige Hilfe, bei der sie ihr Leben riskierte, im Oktober 2025 posthum mit dem Titel „Gerechte unter den Völkern“ von der Jerusalemer Schoa-Gedenkstädte Yad Vashem geehrt.

Julius Stern

Geboren am 1. Juli 1884 in Gelsenkirchen.
Julius Stern besuchte die Oberrealschule und die Technische Hochschule, wo er Maschinenbau studierte. Er nahm von 1914 bis 1918 am Ersten Weltkrieg teil und erlitt eine schwere Kriegsverwundung. Er war national und international im Schwimmsport bekannt: 1905 trat er dem Schwimmverein München 1899 e.V. bei, 1908 wurde er österreichischer Meister im Brettspringen, im Juli 1910 Sieger des Großen Frankfurter Springens. Am 5. April 1914 erhielt er den Ehrenpreis der Königin Marie beider Sizilien. Ab 1919 war er Kreisschwimmwart im Kreis V (Süddeutschland), 1914/1915 und 1917 bis 1919 II. Vorstand des SV München 1899, von 1925 bis 1932 Mitglied des FINA-Sprungrates und 1926 bis 1929 Olympiatrainer der deutschen Springer. Julius Stern war der Erfinder des genormten Sprungbrettes. Als Juden wurden ihm während der Nazizeit die sportlichen Tätigkeiten verboten. Am 11. August 1920 heiratete der Ingenieur t in München Therese (Resl) Schmid, geboren am 30. Mai 1892 in München, die katholisch war. Am 21. Juli 1932 zog das Ehepaar aus Gelsenkirchen nach Lochham (Gräfelfing) in die Maria-Eich-Straße 52 (später 11). Am 16. Oktober 1942 musste er in das Internierungslager in der Clemens-August-Straße 9 in München umziehen, wurde aber dank der „Mischehe“ vor Deportation verschont. Ab 4. März 1943 wohnte er in München in der Adelheidstraße 6/III bei Jung. Am 8. Dezember 1945 konnte er nach Gräfelfing in die Maria-Eich-Straße 11 zurückkehren. Die Ehefrau Resl Stern starb am 2. Februar 1962 in Lochham, Julius Stern starb am 4. November 1966 in Krailling/Planegg.

Bild: Stadtarchiv München KKD 4115
Julius Stern
Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Gräfelfing
Lena (Lotte) Stiller

Geboren am 24. Februar 1899 in Wildeshausen, Kreis Oldenburg, geborene Schwabe.
Lotte Schwabe hat am 18. Dezember 1918 in Wildeshausen den Mechaniker Georg Stiller (geboren am 8. Januar 1894 in Lindern, Kreis Erding) geheiratet. Das Ehepaar wohnte seit dem 17. Oktober 1919 in München, wo am 23. April 1920 der Sohn Georg Franz Stiller geboren wurde. Seit dem 11. Februar 1925 waren sie in München in der Buttermelcherstraße 4/II und seit dem 11. April 1935 in München in der Leopoldstraße 120/I gemeldet. Georg Stiller war wie der Sohn Georg Franz Stiller seit der Geburt katholisch. Lotte Stiller wurde am 11. Februar 1936 in der Kirche St. Ursula katholisch getauft, galt aber wegen ihrer jüdischen Herkunft nach den NS-Gesetzen als „jüdischer Mischling 1. Grades“. Deswegen und wegen ihrer „Mischehe“ war sie von Deportation verschont geblieben. Im Gestapo-Verzeichnis zu Jüdinnen und Juden aus München ist sie mit der (Münchner) Adresse Leopoldstraße 120 aufgeführt. Nachdem das Ehepaar Stiller in München ausgebombt wurde, bezog es am 13. Juli 1944 in Gauting in der Frühlingsstraße 351 (heute 46) ihr Wochenendhäuschen zum Daueraufenthalt. Lotte Stiller ist in einer von der Gemeinde Gauting für die Vereinten Nationen erstellten Liste „deutscher Juden“ vom 13. August 1946 erfasst. Sie starb am 7. Oktober 1948 in Gauting und wurde auf dem Waldfriedhof Gauting beigesetzt. Georg Stiller verstarb am 15. November 1971 in München.
Der Sohn Georg Franz Stiller, der als Konstrukteur für Heeresgeräte und Maschinen bei BMW angestellt war, wohnte bereits seit dem 19. März 1941 „aus gesundheitlichen Gründen“ im Wochenendhaus seiner Eltern und meldete sich am 5. September 1945 wieder nach München in die Magdalenenstraße 2 ab.

Bild: Stadtarchiv München KKD 4160
Lotte Stiller
Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Gauting
Arolsen Archives
Friderika (Ricca) Traut

(* 1856), geborene Mayer
Sie war mit dem Großhändler Berthold Traut verheiratet, der in Planegg auf dem Anwesen Maria-Eich-Straße 6 1/2 (später Hofmarkstraße 13) die Villa Rosa bauen ließ. Dort zog das Ehepaar mit den Töchtern Rosa (geboren am 7. Februar 1882 in München) und Irene (geboren am 1. Februar 1878 in München) am 1. Mai 1900 ein. Im selben Jahr meldete Berthold Traut das Gewerbe Immobilien-Agentur bei der Gemeinde Planegg an. Berthold Traut starb vor 1933. Irene Traut heiratete in Planegg am 22.9.1910 den Kaufmann Adolf Wolfsheimer (geboren am 27. April 1859 in München). Sie starb am 23. September 1931 in Eglfing, ihr Ehemann starb 1937 in Planegg.
Rosa Traut, die laut Stadtarchiv München in Planegg in der Adolf-Wagner-Straße 1 wohnte, blieb unverheiratet und übte das Kunstgewerbe aus. Wie die Gemeindechronik (Grau, Anton, Geschichte Planeggs im 19. und 20. Jahrhundert, in: Planegg, Geschichte und Geschichten, Bd. II, 2009, Gemeinde Planegg) berichtet, stellte Rosa Traut 1936 einen Antrag auf Ausstellung eines Passes für das Ausland, was aber vom Bezirksamt München abgelehnt wurde. Auf der Planegger Einwohnermeldekarte ist vermerkt „abgewandert auf Veranlassung nach Wiedemannstraße München am 20. November 1941“. Dort befand sich eine Abwicklungsstelle für jüdischen Grundbesitz. Am selben Tag wurde Rosa Traut mit dem ersten Transport von München in das KZ Kaunas in Litauen deportiert und dort am 25. November 1941 ermordet. Das Amtsgericht München setzte in der Todeserklärung vom Jahr 1952 den Zeitpunkt des Todes auf den 30. November 1941.
Die Gemeindechronik zitiert ein Schreiben des Staatskommissariats für rassisch, religiös und politisch Verfolgte vom 30. 12. 1947, wonach Ricca Traut „im Jahr 1942 auf Veranlassung des damaligen Bürgermeisters Karl Tries auf eine Tragbahre (sie war damals krank und 86 Jahre alt) mit einem Transport in unbekannte Richtung verschleppt“ wurde. Laut Rückmeldung des Polizeipräsidiums München vom 9. April 1942 wurde Ricca Traut am 7. April 1942 in das Sammellager in München-Milbertshofen in der Knorrstraße 148. Sie wurde am 11. Juni 1942 nach Theresienstadt deportiert und am 19. September 1942 im Vernichtungslager Treblinka ermordet. Laut der Datenbank holocaust.cz erfolgte ihre Deportation mit dem Transport II/5 unter der Nummer 237 am 12. Juni 1942 von München nach Theresienstadt (50 Deportierte, eine Person hat überlebt) sowie mit Transport Bo, nr. 1140 am 19. September 1942 von Theresienstadt nach Treblinka (2.003 Deportierte, eine Person hat überlebt).

Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Planegg
Datenbank holocaust.cz
Grau, Anton, Geschichte Planeggs im 19. und 20. Jahrhundert, in: Planegg, Geschichte und Geschichten, Bd. II, 2009, Gemeinde Planegg)

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Gedenkbuch München
Eugenie Rosalie (Rosa) Traut

Geboren am 7. Februar 1882 in München.
Rosa Traut lebte seit dem 1. Mai 1900 mit ihren Eltern Ricca und Berthold Traut sowie ihrer Schwester Irene in Planegg in der Maria-Eich-Straße 6 1/2 (später Hofmarkstraße 13) in der Villa Rosa, die ihr Vater bauen ließ. Sie blieb unverheiratet und übte das Kunstgewerbe aus. Laut Stadtarchiv München wohnte sie zuletzt in Planegg in der Adolf-Wagner-Straße 1. Wie die Gemeindechronik (Grau, Anton, Geschichte Planeggs im 19. und 20. Jahrhundert, in: Planegg, Geschichte und Geschichten, Bd. II, 2009, Gemeinde Planegg) berichtet, stellte Rosa Traut 1936 einen Antrag auf Ausstellung eines Passes für das Ausland, was aber vom Bezirksamt München abgelehnt wurde. Auf der Planegger Einwohnermeldekarte ist vermerkt „abgewandert auf Veranlassung nach Wiedemannstraße München am 20. November 1941“. Dort befand sich eine Abwicklungsstelle für jüdischen Grundbesitz. Am selben Tag wurde Rosa Traut mit dem ersten Transport von München in das KZ Kaunas in Litauen deportiert und dort am 25. November 1941 ermordet. Das Amtsgericht München setzte in der Todeserklärung vom Jahr 1952 den Zeitpunkt des Todes auf den 30. November 1941.

Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Planegg
Grau, Anton, Geschichte Planeggs im 19. und 20. Jahrhundert, in: Planegg, Geschichte und Geschichten, Bd. II, 2009, Gemeinde Planegg

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Gedenkbuch München
Regina Ullmann

Geboren am 14. Dezember 1884 in St. Gallen, Schweiz.
Regina Ullmann war die Tochter von Richard (geboren am 5. Juni 1842 in Fußach, Österreich) und Hedwig Ullmann, geborene Neuburger (geboren am 18. Januar 1859 in Ulm). Richard Uhlmann stammt aus einer alten Hohenemser Familie von Rabbinern und Ärzten. Ihr Vater war Kaufmann und hatte in St. Gallen ein Geschäft mit Stickereien eröffnet; er starb bereits 1889 im Alter von 46 Jahren. Die Kindheit von Regina Ullmann war von Entwicklungsstörungen und Legasthenie überschattet. 1902 zog sie mit ihrer Mutter nach München, wo sie im Kreise von Hans Carossa, Ludwig Derleth und Rainer Maria Rilke den Weg zur Literatur fand. 1907 erschien ihre erste dramatische Dichtung „Die Feldpredigt“, 1910 folgte „Von der Erde des Lebens. Dichtungen in Prosa“. Doch ihr Leben verlief nicht so, wie sie es sich ersehnt hatte. Depressionen hinderten sie am Schreiben. Zwei uneheliche Kinder mit dem Psychoanalytiker Otto Gross und dem Ökonomen Hanns Dorn, Camilla Gross (geboren 1906 in Wien, Österreich) und Gerda Dorn (geboren am 18. Juli 1908 in München), musste sie in Pflege geben. Auch ihre Konversion zum Katholizismus 1911 brachte keine Ruhe in ihr Leben, auch wenn sie als eigenwillige christliche Erzählerin in ihrer Dichtung von einer gewissen Frömmigkeit und Hinwendung zu einfachen Menschen und kleinen Dingen geprägt war. Um 1920 lernte sie weitere Dichterkollegen kennen: Thomas Mann, Robert Musil, Max Pulver und Albert Steffen, dann 1923 Carl Jacob Burckhardt. Am 15. November 1923 zog sie mit ihrer Mutter Hedwig von München, wo sie in der Giselastraße 14 wohnte, nach Planegg in ein Haus in der Hofmarkstraße 39, das sie erworben hatte. Von den Nazis als Jüdin 1936 aus dem Schutzverband Deutscher Schriftsteller ausgeschlossen, emigrierte sie im gleichen Jahr nach Salzburg in Österreich, wo 1938 ihre Mutter starb, und kehrte über mehrere Stationen in Italien und der Schweiz 1938 nach St. Gallen zurück, wo sie schließlich in einem katholischen Pflegeheim lebte. In St. Gallen fand sie als Schriftstellerin – wenn auch spät – eine gewisse Anerkennung und erhielt 1954 den Kulturpreis der Stadt. Seit 1955 war sie Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Der wiedergefundene Kontakt zu ihren Töchtern bedeutete ihr viel. Sie starb am 6. Januar 1961 in Ebersberg in der Obhut ihrer Tochter Camilla Gross, die als Kindererzieherin und Krankenschwester tätig war, von 1928 bis 1945 in Brighton, England, lebte und im Jahr 2000 in Hamburg starb. Camilla Gross ist wie ihre Mutter Regina Ullmann in Feldkirchen begraben.

Bild: Kantonsbibliothek Vadiana St. Gallen
Regina Ullmann
Quellen
Gemeindearchiv Planegg
Jüdisches Museum Hohenems
Charles Linsmayers Autorenlexikon
Antonie Dina Wohlfeiler

Geboren am 29. November 1873 in Andrychau (Andrychów), Galizien, geborene Friediger.
Antonie Dina Friediger hat am 28. Dezember 1892 in ihrer Geburtsstadt den Gastwirt Josef Wohlfeiler (geboren am 13. Dezember 1868 in Biertowice, Bez. Myslenice, Galizien) geheiratet. Das Ehepaar hatte die Kinder Bernhard und Berta (beide in Matzdorf, Schlesien geboren, vor 1899 gestorben), Regina (geboren am 15. März 1895 in Matzdorf, Schlesien), Leopold (geboren am 21. Juli 1899 in Matzdorf, Schlesien), Julius (geboren am 29. Januar 1903 in Czechowitz) und Helene Eleonore (geboren am 13. Februar 1904 in Czechowitz). Die jüdische Familie zog am 1. Oktober 1899 nach Planegg. 1921 kaufte Markus Friediger, der in München lebte, in Planegg das Anwesen Pasinger Straße 31 b und schenkte es 1923 seiner Tochter Antonie. Die Gemeindechronik (Grau, Anton, Geschichte Planeggs im 19. und 20. Jahrhundert, in: Planegg, Geschichte und Geschichten, Bd. II, 2009, Gemeinde Planegg) zitiert aus dem Gesuch des Kaufmann Josef Wohlfeiler vom 10. Dezember 1923, mit dem er das Bezirksamt München ansuchte, ihm und seiner Familie auf ein weiteres Jahr die Aufenthaltsgenehmigung in Planegg zu erteilen: „Zur Familie gehören: Ehefrau Antonie, geborene Friediger, geb. 29. November 1873 in Andrychau/ Galizien, Kinder: Leopold, geb. 21.7.1899 in Matzdorf, Julius, geb. 29.1.1903 in Czechowitz/Polen, Kaufmann, Eleonora, geb. 13.2.1904 in Czechowitz/Polen, Regina, geb. 15.3.1895 in Matzdorf/Galizien. Ich, Josef Wohlfeiler und meine beiden Söhne sind in den Betrieben meines Schwagers Markus Friediger in München (Hotel Stadt Wien, Hotel Grünwald u. a.) angestellt, ich als Abteilungsleiter, Sohn Leopold als Konditor und Sohn Julius als Buchhalter. Der Wohnungsmarkt in Planegg würde durch meinen Aufenthalt in keiner Weise nachteilig beeinflußt.“ Die Gemeinde Planegg bestätigte die Richtigkeit der Angaben und führte weiterhin an, dass sich die Familienmitglieder Wohlfeiler jeder politischen Betätigung fernhalten. Das Gesuch wurde von der Gemeinde befürwortet. Die erbetene Aufenthaltsgenehmigung wurde vorerst nicht erteilt, nachdem die Regierung von Oberbayern Josef Wohlfeiler bereits am 19. Juli 1923 eine Einbürgerung nicht in Aussicht gestellt hatte. Josef Wohlfeiler ist am 1. Januar 1924 in Planegg gestorben. Im Jahr 1939 verkaufte Antonie Wohlfeiler das Anwesen Pasinger Straße 31 b in Planegg an die Kohlenhändlereheleute Lorenz und Maria Schuhmann aus Planegg.
Tochter Helene Eleonore Wohlfeiler beging vor der bevorstehenden Deportation am 18. März 1942 in Planegg Suizid, wo sie bei der Mutter Antonia Wohlfeiler wohnte.

Antonia Wohlfeiler wurde laut einem Vermerk auf der Einwohnermeldekarte am 1. April 1942 nach München/Milbertshofen, Knorrstraße 148 verbracht und am 4. Juli 1942 mit Transport II/13, Nummer 622, in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Von den insgesamt 50 Personen dieser Deportation überlebten sieben die Shoah. Laut Todesfallanzeige des Ältestenrates starb sie am 2. August 1942 um 2 Uhr in Zimmer 36 (Chirurgie) der Kavalier Kaserne an den Folgen einer „Bauchfellentzündung“.
Tochter Regina Wohlfeiler, die 1923 den Schlosser Johann Riegl aus Planegg geheiratet hat, lebte mit Ehemann und Sohn in München. Sie war durch die „Mischehe“ vor Deportation geschützt und starb am 14. März 1946 in München.
Sohn Leopold Wohlfeiler wurde im Sommer 1940 nach Wien ausgewiesen; von dort wurde er deportiert und am 9. Juni 1942 im Zwangsarbeiterlager Nadworna in Ostgalizien ermordet.
Sohn Julius Wohlfeiler verzog 1934 nach Berlin, er wurde am 21. November 1944 in einem Nebenlager des KZ Mauthausen ermordet.
Der Bruder von Antonie Dina Wohlfeiler Markus Friediger (geboren am 20. Oktober 1875 in Andrychau) lebte seit 1894 München. Er meldete sich mit seiner Ehefrau Hedwig Friediger, geborene Klein (geboren am 18. November 1878 in Wien), am 28. Oktober 1930 von München nach Berlin ab. Am 7. Dezember 1941 wurde das Ehepaar von Köln nach Riga deportiert und dort ermordet.

Bild: Arolsen Archives
Antonie Dina Wohlfeiler: Transportliste
Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Planegg
Grau, Anton, Geschichte Planeggs im 19. und 20. Jahrhundert, in: Planegg, Geschichte und Geschichten, Bd. II, 2009, Gemeinde Planegg

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Gedenkbuch München
Helene Eleonore Wohlfeiler

Geboren am 13. Februar 1904 in Czechowitz.
Die Tochter von Antonie Dina und Josef Wohlfeiler lebte mit ihren Eltern vom 1. Oktober 1899 in Planegg, von 1923 in Planegg in der Pasinger Straße 31 b. Sie beging vor der bevorstehenden Deportation am 18. März 1942 in Planegg Suizid, wo sie bei der Mutter Antonia Wohlfeiler wohnte.

Bild: Arolsen Archives
Helene Eleonore Wohlfeiler: UN-Liste mit Sterbedatum
Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Planegg

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Gedenkbuch München
Julius Wohlfeiler

Geboren am 29. Januar 1903 in Czechowitz.
Der Sohn von Antonie Dina und Josef Wohlfeiler lebte mit seinen Eltern vom 1. Oktober 1899 in Planegg, von 1923 in Planegg in der Pasinger Straße 31 b. Er war als Buchhalter im Hotel seines Großvaters Markus Friediger in München angestellt. Er verzog 1934 nach Berlin und wurde am 21. November 1944 im Nebenlager Gusen II des KZ Mauthausen ermordet.

Bild: Arolsen Archives
Julius Wohlfeiler: Todesmeldung KZ Mauthausen
Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Planegg
Grau, Anton, Geschichte Planeggs im 19. und 20. Jahrhundert, in: Planegg, Geschichte und Geschichten, Bd. II, 2009, Gemeinde Planegg

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Gedenkbuch München
Leopold Wohlfeiler

Geboren am 21. Juli 1899 in Matzdorf, Schlesien.
Der Sohn von Antonie Dina und Josef Wohlfeiler Leopold lebte mit seinen Eltern vom 1. Oktober 1899 in Planegg, von 1923 in Planegg in der Pasinger Straße 31 b. Er war als Konditor im Hotel seines Großvaters Markus Friediger in München angestellt. Er wurde im Sommer 1940 nach Wien ausgewiesen; von dort wurde er deportiert und am 9. Juni 1942 im Zwangsarbeiterlager Nadworna in Ostgalizien ermordet.

Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Planegg
Grau, Anton, Geschichte Planeggs im 19. und 20. Jahrhundert, in: Planegg, Geschichte und Geschichten, Bd. II, 2009, Gemeinde Planegg

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Gedenkbuch München
Irene und Adolf Wolfsheimer

Der Kaufmann (Prokurist) Adolf Wolfsheimer (geboren am 27. April 1859 in München) lebte seit 1.4.1904 in Planegg in der Germeringer Str. 6 ½ in der Villa Rosa der Familie Traut. Nach der in Planegg am 22.9.1910 erfolgten Eheschließung mit Irene Traut (geboren am 1. Februar 1878 in München), wohnten beide im Hause der Schwiegereltern in der Hofmarkstraße 13. Irene Wolfsheimer starb kinderlos am 23. September 1931 in Eglfing. Adolf Wolfsheimer starb am 20. Dezember 1937 in Planegg.

Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Planegg

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Gedenkbuch München
Johanna Zimmermann

Verwitwete Fleischmann, geborene Strauß, geboren am 5. Juli 1870 in Kaiserslautern.
Sie heiratete am 7. Juli 1902 in Fürth Dr. phil. Friedrich Karl Zimmermann, Major a.D., geboren am 17. Juli 1873 in Kandel im Kreis Germersheim. Obwohl Johanna Zimmermann wie ihr Ehemann evangelisch war, galt sie wegen ihrer jüdischen Herkunft nach den Nazi-Gesetzen als Jüdin. Durch die „Mischehe“ entging sie aber der Deportation. Ihre beiden Kinder Karolina Fleischmann, geboren am 17. März 1895 in Fürth, und Ludwig Fleischmann, geboren am 03. April 1897 in Fürth, stammen aus ihrer ersten Ehe mit dem Fürther Großkaufmann Anton Fleischmann. Sohn Ludwig Fleischmann befand sich im November 1938 in Montevideo/Uruguay. Tochter Karoline Fleischmann beging am 16. Juni 1942 in München Suizid. Friedrich und Johanna Zimmermann sind am 18. September 1945 aus München nach Gräfelfing in die jetzige Kurt-Huber-Str. 42 zugezogen. Johanna Zimmermann starb am 13. April 1949 in München, ihr Mann am 31. August 1952.

Quellen
Stadtarchiv München
Gemeindearchiv Gräfelfing

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