Am 26. und 27. April 1945 wurden Tausende Häftlinge des Konzentrationslagers (KZs) Dachau und seiner Außenlager Allach und Kaufering in drei Todesmärschen durch das Würmtal in Richtung Alpen getrieben. Entlang des Leidensweges errichteten ab 1989 u.a. die Gemeinden Gauting, Gräfelfing, Krailling und Planegg Mahnmale zur Erinnerung an diese grauenhaften Nazi-Verbrechen in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges. Daran erinnert seit 1998 der Gedenkzug unter dem Motto: „Denkmale lebendig machen“/„Den Stab der Erinnerung an die Jugend weitergeben“, den der Verein “Gedenken im Würmtal” gemeinsam mit Schüler*innen und Lehrkräften örtlicher Schulen, Vertreter*innen der Kommunalpolitik und Mitgliedern örtlicher Religionsgemeinschaften im Beisein von Überlebendenfamilien veranstaltet.
„Was hinter Mauern und Stacheldrähten verborgen war, was nur hinter geschlossenen Läden geflüstert wurde, was man nicht glauben wollte oder konnte, marschierte ganz plötzlich allen Augen sichtbar durch die Straßen der Gemeinden des Würmtals …“
Zwi Katz, Überlebender des Todesmarsches von Dachau, vor dem Mahnmal Planegg, 2011
Ein jährliches Zeichen des Erinnerns
Seit Mai 1998 gedenken jährlich Anfang Mai Bürgerinnen und Bürger der fünf Würmtal-Gemeinden, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Gemeinderäte sowie Vertreter der Religionsgemeinschaften – unter ihnen viele junge Menschen – der geschundenen Häftlinge, die Ende April 1945 aus dem KZ Dachau und seinen Außenlagern auf Todesmärschen durch das Würmtal getrieben wurden. Entlang dieses Leidenswegs errichteten die Gemeinden Mahnmale, um an die späten, grausamen Verbrechen der letzten Kriegstage zu erinnern.

Die Anfänge einer lebendigen Erinnerungskultur
Wie kam es zu dieser empathischen und dauerhaften Gedenkkultur, verbunden mit Freundschaften zu Überlebenden und ihren Familien? Der Ursprung reicht zurück ins Jahr 1985: Matthias Hornstein, Schüler des Otto-von-Taube-Gymnasiums Gauting, verfasste eine Facharbeit über den jüdischen Friedhof seiner Gemeinde. Sein Engagement löste eine politische Bewegung aus.

24 Denkmäler für das Gedenken
Dr. Ekkehard Knobloch, damaliger Bürgermeister von Gauting, schlug vor, das Gedenken auf alle Würmtal-Gemeinden auszuweiten. Das gelang und wirkte über das Würmtal hinaus, so dass insgesamt 24 Denkmäler des Künstlers Professor Hubertus von Pilgrim entlang der Route des Dachauer Todesmarsches aufgestellt wurden. Doch Knobloch wollte mehr als steinerne Zeichen: Er suchte über israelische Zeitungen Kontakt zu Überlebenden – darunter Uri Chanoch und Abba Naor. Bei der Enthüllung des Gautinger Denkmals 1989 waren bereits 39 Überlebende anwesend – ein bewegender Moment der Begegnung.
Interview mit Dr. Ekkehard Knobloch (Dezember 2025)

Engagement aus den Schulen
Parallel dazu begannen Schülerinnen und Schüler des Otto-von-Taube-Gymnasiums mit ihren Lehrkräften, aktiv gegen das Vergessen zu arbeiten – mit Projekten und Schweigemärschen entlang der historischen Route. Diese frühen Initiativen bildeten den Nährboden für spätere Gedenkzüge.
Der erste Gedenkzug – ein Zeichen der Verbundenheit
Der Journalist Dr. Friedrich Schreiber, langjähriger ARD-Korrespondent in Israel, griff die Idee auf und organisierte 1998 den ersten Gedenkzug von Lochham bis Gauting. Die große Beteiligung ermutigte ihn, im Folgejahr neun Gedenkzüge entlang der verschiedenen Routen zu initiieren. Schon bald nahmen zahlreiche Überlebende als Ehrengäste teil – ein bewegendes Zeichen der Versöhnung.
Wachsende Bürgerinitiativen und Freundschaften
In vielen Gemeinden entstanden Bürgerinitiativen, die eigene Gedenkveranstaltungen organisierten. Jahr für Jahr reisten Überlebende mit ihren Familien an, trafen Zeitzeugen und Bürgerinnen und Bürger des Würmtals – aus Begegnungen wurden Freundschaften, aus Erinnerung wuchs menschliche Nähe.

Der unermüdliche Einsatz von Dr. Friedrich Schreiber
Dem Engagement von Dr. Friedrich Schreiber ist es zu verdanken, dass der Gedenkzug über Jahrzehnte lebendig blieb. 2008 gründete er in Kaufering einen Verein zum Gedenken der Opfer und pflegte enge Beziehungen zu israelischen Überlebenden. Diese Verbindung mündete in die „Kauferinger Gedenkwoche“, in deren Rahmen viele israelische Gäste jährlich an den Gedenkzügen im Würmtal teilnehmen.

Stimmen der Überlebenden – Musik der Verbundenheit
Die persönlichen Berichte der Überlebenden prägten die Gedenkzüge tief. Ihre Worte, getragen von Menschlichkeit und Versöhnung, berührten besonders die jungen Teilnehmenden. Musikschülerinnen und -schüler aus Planegg gestalteten die Feiern mit sensibel ausgewählten hebräischen und jiddischen Liedern – Momente, in denen die Zuhörenden und Gäste oft zu Tränen gerührt waren.
Erinnerung in der zweiten Generation
Heute können viele Überlebende altersbedingt nicht mehr selbst teilnehmen. Umso bedeutungsvoller ist, dass ihre Kinder und Enkel die Erinnerung weitertragen und über das Leid ihrer Eltern sprechen.

Weitergabe an die Jugend
Ein zentrales Anliegen der Organisatoren ist die Weitergabe der Erinnerung an junge Menschen. Bei jeder Gedenkfeier sprechen Schülerinnen und Schüler der Würmtal-Gymnasien und der Gautinger Realschule Worte des Gedenkens, lesen Texte der Überlebenden und zeigen, dass Erinnerung lebendig bleibt.

Breite Unterstützung aus der Bürgerschaft
Viele Bürgerinnen und Bürger nehmen seit Jahren regelmäßig teil. Auch politische Vertreterinnen und Vertreter – Bürgermeisterinnen, Landräte, Gemeinderäte und Religionsgemeinschaften – gestalten die Feiern mit würdevollen Worten. Das Kaddisch, das traditionelle jüdische Totengebet, gehört dabei stets zu den zentralen Momenten.
Gedenken in schwierigen Zeiten
Selbst die Corona-Pandemie 2020 konnte das Erinnern nicht aufhalten. Als der Gedenkzug abgesagt werden musste, organisierten die Gemeinden und der Verein „Gedenken im Würmtal“ digitale Gedenkaktionen mit Videobotschaften und Bildern – Zeichen der Verbundenheit, die bis nach Israel bewegt aufgenommen wurden.
Der Staffelstab der Erinnerung
Seit 2018 führt der Verein „Gedenken im Würmtal e.V.“ das Werk von Dr. Friedrich Schreiber fort. Mit neuen Ideen und großem Engagement setzt er die Tradition des Gedenkens fort – mit dem Ziel, den „Stab der Erinnerung“ an kommende Generationen weiterzugeben.

Berichte und Texte zu unseren Gedenkzügen
- Weitere Berichte finden Sie in unserem Pressearchiv
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Vorstandsteam
E-Mail: mail@gedenken-im-wuermtal.de
Hans-Joachim Stumpf Vorsitzender
Angelika Lawo stv. Vorsitzende
Thomas Schaffert stv. Vorsitzender
Hans Schmid Schatzmeister
Dr. Herbert Stepp Schriftführer
Sabine Baumgartner Beisitzerin
Dr. Jan Mühlstein Beisitzer
Jutta Schmid Beisitzerin
Dr. Martin Schmid Beisitzer
Joachim Bender Beisitzer
Dr. Friedrich Schreiber † Ehrenvorsitzender
Zwi Katz
Ehrenvorsitzender
