Der Gedenkzug zum „Todesmarsch von Dachau“


„Was hinter Mauern und Stacheldrähten verborgen war, was nur hinter geschlossenen Läden geflüstert wurde, was man nicht glauben wollte oder konnte, marschierte ganz plötzlich allen Augen sichtbar durch die Straßen der Gemeinden des Würmtals …“

Zwi Katz, Überlebender des Todesmarsches von Dachau, vor dem Mahnmal Planegg, 2011

Ein jährliches Zeichen des Erinnerns

Seit Mai 1998 gedenken jährlich Anfang Mai Bürgerinnen und Bürger der fünf Würmtal-Gemeinden, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Gemeinderäte sowie Vertreter der Religionsgemeinschaften – unter ihnen viele junge Menschen – der geschundenen Häftlinge, die Ende April 1945 aus dem KZ Dachau und seinen Außenlagern auf Todesmärschen durch das Würmtal getrieben wurden. Entlang dieses Leidenswegs errichteten die Gemeinden Mahnmale, um an die späten, grausamen Verbrechen der letzten Kriegstage zu erinnern.

Gedenken im Jahr 1998

Die Anfänge einer lebendigen Erinnerungskultur

Wie kam es zu dieser empathischen und dauerhaften Gedenkkultur, verbunden mit Freundschaften zu Überlebenden und ihren Familien? Der Ursprung reicht zurück ins Jahr 1985: Matthias Hornstein, Schüler des Otto-von-Taube-Gymnasiums Gauting, verfasste eine Facharbeit über den jüdischen Friedhof seiner Gemeinde. Sein Engagement löste eine politische Bewegung aus.

Facharbeit Matthias Hornstein

24 Denkmäler für das Gedenken

Dr. Ekkehard Knobloch, damaliger Bürgermeister von Gauting, schlug vor, das Gedenken auf alle Würmtal-Gemeinden auszuweiten. Das gelang und wirkte über das Würmtal hinaus, so dass insgesamt 24 Denkmäler des Künstlers Professor Hubertus von Pilgrim entlang der Route des Dachauer Todesmarsches aufgestellt wurden. Doch Knobloch wollte mehr als steinerne Zeichen: Er suchte über israelische Zeitungen Kontakt zu Überlebenden – darunter Uri Chanoch und Abba Naor. Bei der Enthüllung des Gautinger Denkmals 1989 waren bereits 39 Überlebende anwesend – ein bewegender Moment der Begegnung.

Interview mit Dr. Ekkehard Knobloch (Dezember 2025)

In Gauting steht eines der Pilgrim-Mahnmale

Engagement aus den Schulen

Parallel dazu begannen Schülerinnen und Schüler des Otto-von-Taube-Gymnasiums mit ihren Lehrkräften, aktiv gegen das Vergessen zu arbeiten – mit Projekten und Schweigemärschen entlang der historischen Route. Diese frühen Initiativen bildeten den Nährboden für spätere Gedenkzüge.

Der erste Gedenkzug – ein Zeichen der Verbundenheit

Der Journalist Dr. Friedrich Schreiber, langjähriger ARD-Korrespondent in Israel, griff die Idee auf und organisierte 1998 den ersten Gedenkzug von Lochham bis Gauting. Die große Beteiligung ermutigte ihn, im Folgejahr neun Gedenkzüge entlang der verschiedenen Routen zu initiieren. Schon bald nahmen zahlreiche Überlebende als Ehrengäste teil – ein bewegendes Zeichen der Versöhnung.

Gedenkzug mit Dr. Friedrich Schreiber im Jahr 1998Bild: Q6
Gedenkzug mit Dr. Friedrich Schreiber im Jahr 1998

Wachsende Bürgerinitiativen und Freundschaften

In vielen Gemeinden entstanden Bürgerinitiativen, die eigene Gedenkveranstaltungen organisierten. Jahr für Jahr reisten Überlebende mit ihren Familien an, trafen Zeitzeugen und Bürgerinnen und Bürger des Würmtals – aus Begegnungen wurden Freundschaften, aus Erinnerung wuchs menschliche Nähe.

Überlebende samt Familien bei der Gedenkfeier 2017 in Planegg

Der unermüdliche Einsatz von Dr. Friedrich Schreiber

Dem Engagement von Dr. Friedrich Schreiber ist es zu verdanken, dass der Gedenkzug über Jahrzehnte lebendig blieb. 2008 gründete er in Kaufering einen Verein zum Gedenken der Opfer und pflegte enge Beziehungen zu israelischen Überlebenden. Diese Verbindung mündete in die „Kauferinger Gedenkwoche“, in deren Rahmen viele israelische Gäste jährlich an den Gedenkzügen im Würmtal teilnehmen.

Bis zu seinem Tod im Jahr 2024 engagierte sich Dr. Friedrich Schreiber für das Gedenken an die Opfer

Stimmen der Überlebenden – Musik der Verbundenheit

Die persönlichen Berichte der Überlebenden prägten die Gedenkzüge tief. Ihre Worte, getragen von Menschlichkeit und Versöhnung, berührten besonders die jungen Teilnehmenden. Musikschülerinnen und -schüler aus Planegg gestalteten die Feiern mit sensibel ausgewählten hebräischen und jiddischen Liedern – Momente, in denen die Zuhörenden und Gäste oft zu Tränen gerührt waren.

Musik der Verbundenheit

Erinnerung in der zweiten Generation

Heute können viele Überlebende altersbedingt nicht mehr selbst teilnehmen. Umso bedeutungsvoller ist, dass ihre Kinder und Enkel die Erinnerung weitertragen und über das Leid ihrer Eltern sprechen.

Gedenkfeier für Zwi Katz 2024

Weitergabe an die Jugend

Ein zentrales Anliegen der Organisatoren ist die Weitergabe der Erinnerung an junge Menschen. Bei jeder Gedenkfeier sprechen Schülerinnen und Schüler der Würmtal-Gymnasien und der Gautinger Realschule Worte des Gedenkens, lesen Texte der Überlebenden und zeigen, dass Erinnerung lebendig bleibt.

Shlomi Chanoch mit seinen Töchtern im KHG Gräfelfing am 27.03.2023
Shlomi Chanoch mit seinen Töchtern 2023 im Kurt-Huber-Gymnasium Gräfelfing

Breite Unterstützung aus der Bürgerschaft

Viele Bürgerinnen und Bürger nehmen seit Jahren regelmäßig teil. Auch politische Vertreterinnen und Vertreter – Bürgermeisterinnen, Landräte, Gemeinderäte und Religionsgemeinschaften – gestalten die Feiern mit würdevollen Worten. Das Kaddisch, das traditionelle jüdische Totengebet, gehört dabei stets zu den zentralen Momenten.

Gedenken in schwierigen Zeiten

Selbst die Corona-Pandemie 2020 konnte das Erinnern nicht aufhalten. Als der Gedenkzug abgesagt werden musste, organisierten die Gemeinden und der Verein „Gedenken im Würmtal“ digitale Gedenkaktionen mit Videobotschaften und Bildern – Zeichen der Verbundenheit, die bis nach Israel bewegt aufgenommen wurden.

Während der Corona Pandemie wurde der Gedenkzug digital durchgeführt (12)

Der Staffelstab der Erinnerung

Seit 2018 führt der Verein „Gedenken im Würmtal e.V.“ das Werk von Dr. Friedrich Schreiber fort. Mit neuen Ideen und großem Engagement setzt er die Tradition des Gedenkens fort – mit dem Ziel, den „Stab der Erinnerung“ an kommende Generationen weiterzugeben.

Bei Gedenkfeiern ist die Beteiligung junger Menschen ein fester Bestandteil

Berichte und Texte zu unseren Gedenkzügen


Spendenkonto

Gedenken im Würmtal e.V.
DE36 7025 0150 0010 8327 49
Kreissparkasse München-Starnberg-Ebersberg
BYLADEM1KMS

Spenden sind steuerlich absetzbar. Bei Beträgen bis 300 EUR genügt der Überweisungsbeleg als Nachweis (§ 50 Abs. 4 Nr. 2 Buchst. b EStDV).

Vorstandsteam

E-Mail: mail@gedenken-im-wuermtal.de

Hans-Joachim Stumpf Vorsitzender
Angelika Lawo stv. Vorsitzende
Thomas Schaffert stv. Vorsitzender
Hans Schmid Schatzmeister
Dr. Herbert Stepp Schriftführer
Sabine Baumgartner Beisitzerin
Dr. Jan Mühlstein Beisitzer
Jutta Schmid Beisitzerin
Dr. Martin Schmid Beisitzer
Joachim Bender Beisitzer
Dr. Friedrich Schreiber † Ehrenvorsitzender
Zwi Katz Ehrenvorsitzender

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